Rimsting – Die Verbindung zwischen Geist und Hand ist in der Zeichnung manifestiert. Dies zu demonstrieren ist ein spannender Prozess, zu dem Michael Feuchtmeir in sein Rimstinger Atelier „Die Werkstatt“ einlud. Was hier entstehen wird, wisse er noch nicht genau, gab der Künstler den zahlreich erschienen Gästen seiner Zeichenperformance zu verstehen.
Eine großformatige Tafel, weiße Kreide, Graphitkreide und ein Eimer Wasser sind die Utensilien des spontanen Geschehens, bei dem Feuchtmeir aus der Idee heraus agiert. Dies geschieht so unmittelbar, dass die Bewegung des eigenen Körpers mit einfließt in den zeichnerischen Prozess.
Gebannt blickt man auf Zeichner und Tafel. Aus der scheinbar zufälligen Form entsteht das Bild eines riesenhaften Vogels. Darunter steht: „Ein Vogel, was sonst“. Nur kurz ist das vorläufige Bild präsent, wird zerstört und es bildet sich aus den zeichnerischen Resten wieder etwas Neues: „Das wünschte er sich schon lange, das größte Bergfahrzeug der Welt zu bauen“.
Als „ungeplante Ergebnisse“ bezeichnet Michael Feuchtmeir auch seine kleinformatigen Zeichnungen, die reihum im Ausstellungsraum gezeigt werden. Und tatsächlich, einige seiner Arbeiten wirken wie Zeitungskarikaturen, andere hingegen wie Kritzeleien, die beim Telefonieren entstehen. Er versieht sie mit Kommentaren, die in der genauen Beobachtung seiner gesellschaftlichen Umgebung entstehen. Es scheint als bewegten sich die Zeichnungen im Spannungsfeld von Spontaneität und bewusster Überlegung, wobei sich Gefühl und Sachlichkeit ergänzen.
Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht der Mensch mit seiner Mimik, seiner Ausstrahlung und seinen komplizierten Beziehungen zu anderen.
Die Blätter sind nicht geplant, sie entstehen spontan, meist aus einer Stimmung heraus, beeinflusst von alltäglichen Situationen, einer Beobachtung auf der Straße oder im Supermarkt.
Bewusst lässt Feuchtmeir das Überzeichnen von figürlichen Proportionen zu. Teile von Körpern oder Gegenständen erscheinen in befremdenden Situationen. Meist zart aus feinen Strichlagen aufgebaut, verliert sich die Zeichnung in kleinsten Musterungen oder grobstrichigen Verschmierungen.
Die Arbeiten bewegen sich in einer breit angelegten Ausdrucksskala. Jedes Blatt ist ein Hinweis, es gibt Rätsel auf, deren Lösung wir durch die Kommentare näher zu kommen scheinen.
1962 in Prien geboren, erlernte Michael Feuchtmeir den Beruf des Kirchenmalers und kehrte nach längeren Aufenthalten in Berlin und Köln 1994 in seinen Heimatort Rimsting zurück, wo er sich als freier Künstler, Bühnenbildner und Schauspieler seine eigene Wirkungsstätte erbaute.
Auch in Zukunft kann man sich auf die ein oder andere Zeichenperformance freuen. Dann wird der Künstler nach vorheriger Ankündigung in der „Werkstatt“ Entstehungsprozesse seiner Bilder präsentieren.