Frasdorf/Bad Feilnbach – „Stube benennt in süddeutschen Ortsnamen nicht nur das Badhaus, sondern auch bescheidene einzeln stehende Bauwerke. Das Wort bezeichnet ferner als Flurname geschützte warme Stellen“, schreibt Adolf Bach in seinem Standardwerk „Deutsche Namenkunde“. Der Gelehrte nennt neben dem Siedlungsnamen Badstuben bei Passau die Flurnamen Bubenstuben bei Bad Tölz und Rodenstuben bei Pfarrkirchen. Wir dürfen für unsere Region die Namen „Winterstube“ im Jenbachtal bei Bad Feilnbach und „Lederstube“ bei Frasdorf ergänzen.
Rein sprachlich fällt hier eine gewisse Unstimmigkeit bei der Benennung auf: Lederstube und Winterstube haben die standarddeutsche, Badstuben, Bubenstuben und Rodenstuben dagegen die bairische Lautung des Wortes Stube. Dieses heißt auf Bairisch „Stubn“, gesprochen „Schdum“, mit langem u. Dieser Unterschied erklärt sich durch einen Lautwandel, bei dem das hochdeutsche Endungs-e, wie zum Beispiel bei Wiese und Hose, im Bairischen durch n ersetzt worden ist: Wiesn und Hosn.
Aufhorchen lassen Adolf Bachs und anderer Forscher Bemerkungen, wonach die Stube „geschützte, warme Stellen“ (Bach), „die geräumige heizbare Wohnstube“ (Josef Schatz, „Wörterbuch der Tiroler Mundarten“) und einen „heizbare(n) Raum, Baderaum“ (Kluge, „Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“) bezeichnet. Tatsächlich liegt bei der Stube ein sprachlicher Zusammenhang mit dem englischen Wort für Ofen, nämlich „stove“ vor. Nach Meinung der meisten Fachleute, leitet sich das althochdeutsche Wort „stuba“ von einem frühromanischen Wort „stufa“ her, das entweder auf lateinisch tufus (Dampf) oder aestuare (heizen) basiert.
Eh klar: Welche bayrische Bauernstubn hat keinen Kachelofen, der sie gerade im Winter „bacherlwarm“ macht?
Eine warme „Schdum“ bot den Holzknechten auch eine typische Winterstube, die mit ihrer obligatorischen Feuerstelle, hoch droben in den Bergtälern, die passende Winter-Unterkunft für die Waldarbeiter bot; dies jedenfalls bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber eine Winterstube konnte auch zur Sommerstube werden, wie der Schriftsteller Dr. Karl Baltheiser über Kindheitserfahrungen in der Jenbach-Winterstube während der Sommerferien schreibt: „Sie war ein Inbegriff für Freiheit, Fischen, Beerenpflücken, Almkühe, Hüttenbauen und Bergwandern“.
Weitere Winterstuben gibt es östlich und westlich (jetzt Rizler-Alm) des Schliersees.
Markus Wasmeier hat erst kürzlich eine Winterstube aus der Gegend von Bad Wiessee für sein Museum wieder aufbauen lassen.
Der Name der Lederstube im Gemeindebereich Frasdorf hat schon viele Forscher interessiert. Dr. Josef Bernrieder zitiert Herleitungen von gotisch „hleithra“ = Hütte, eine Erklärung als „Lehmgrube“ und schlägt selber althochdeutsch „leare“ = leer als Bestimmungswort vor und kommt so zur Deutung „gering ausgestattetes einräumiges Wohnhaus“. Dies in allen Ehren, aber „Vo Ort zu Ort“ fand eine noch plausiblere Erklärung im „Flurnamenbuch Gemeinde Frasdorf“. Hier heißt es: „Ortsname von Lederer = Gerber. Tatsächlich kann in den Urkunden 1535 ein Gerber nachgewiesen werden“.
Sie haan scho gscheid, de Frasdorfer Heimatforscher!