Winterträume und Glockenklänge

von Redaktion

Hochromantisches beim Kolbermoorer Orgelmittwoch

Kolbermoor – Romantische und dann hochromantische Orgelmusik bot Hans-Eberhard Roß aus Memmingen beim Kolbermoorer Orgelmittwoch. Als derjenige, der alle Orgelwerke von César Franck (1822 bis 1890) auf CD eingespielt hat, ist er dafür höchst prädestiniert.

Roß hat das „Rondo capricioso“ op. 14, das von Felix Mendelssohn-Bartholdy, ursprünglich für Klavier komponiert wurde, selber für Orgel bearbeitet. Es beginnt weniger kapriziös als eher melodisch innig und versonnen und wird erst später elfenhaft kapriziös mit viel „Sommernachtstraum“-Atmosphäre. Roß spielte mit viel Schweller, auch bei den folgenden Stücken.

Auch das Scherzo aus der ersten Symphonie von Peter Tschaikowsky, betitelt „Winterträume“, hat Roß selber bearbeitet. Auf der Orgel klingt diese Transkriptions-Spielerei eher hilfskrückenhaft und weckt Sehnsucht nach dem originalen orchestralen Sound.

Symphonisch opulent ist dagegen der „Choral Nr. 1 E-Dur“ von César Franck, dazu breit strömend in satter Harmonik, von Roß reizvoll farbig registriert. Das „Carillon de Westminster“ op. 54/6 von Louis Vierne (1870 bis 1937) thematisiert das berühmte Big-Ben-Geläute, es wird in immer neue harmonische Farbtöpfe getaucht und strukturiert auch rhythmisch das ganze sehr pittoreske Orgelstück. Hans-Eberhard Roß widmete sich diesem Werk mit hörbarer Hingabe.

Viel Applaus gab`s fürs Konzert, aber keine Zugabe vom Organisten.

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