Als Letztes ein Lachen

von Redaktion

Moderne Kammermusik mit Musikern der Münchner Philharmoniker im Erler Festspielhaus

Erl – Erstaunlich und erfreulich viele Zuhörer waren es beim zweiten Kammerkonzert der Münchner Philharmoniker bei der „Zwischenzeit“ der Tiroler Festspiele Erl, erfreulich deswegen, weil nur moderne Musik geboten wurde.

Wobei Dmitri Schostakowitschs 15. und letzte Symphonie aus dem Jahre 1971 fast schon zur klassischen Moderne zählt. Es ist seine letzte symphonische Antwort auf die Fragen des Lebens. Und diese Antwort ist scheint’s ein Lachen, eine skurrile Ironie, mit der er Zitate aus Rossini und Wagner und auch von sich selbst einbaut und auch mit dem Trivialen spielt, sodass man Ernst und Lachen nicht mehr ganz unterscheiden kann. Das Rossini-Zitat aus der Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ hört sich an wie die Karikatur einer Feuerwehrkapelle aus Träumen Kafkas. Am Schluss bleibt das Geklapper des Xylophons wie höhnisches Gelächter. Das also bleibt von Schostakowitschs Musik als Letztes: ein gleichsam in sich hineinkicherndes Spielwerk, das hermetisch verschlossen nur sich selbst genügt. Ein Lachen und eine Frage.

Dieses Ende ist umso gespenstischer, als es klanglich reduziert ist auf sieben Musiker, auf Klavier, Celesta, eine Geige, ein Cello und vier Schlagzeuger. Dieser skelettierte Klang wirkt noch unmittelbarer, auch weil die sieben Musiker der Münchner Philharmoniker mit fast grausamem Ernst zu Werke gehen, die Süße der Geige wird da fast zum Schluchzen, das Glockenspiel zum Totenglöcklein, der feine Klang der Celesta zum verheißenen Engelsgesang.

Davor gab’s zwei Werke des 1959 geborenen estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür. Der „ombiniert moderne Elemente wie Cluster, Polyrhythmik, Atonalität und Klangschichten mit traditionellen Elementen wie Diatonik, Modalität und Dreiklangsharmonik, wobei ein Kernfaktor die Versöhnung zwischen musikalischen Welten ist“. So wird sein Stil bei „Wikipedia“ beschrieben.

Fast unhörbar mit fahlen Geigen- und Cello-Flageolett-Tönen beginnt „Synergie“ für Violine und Violoncello, flattrige Geigentöne verdichten sich zu zarten Lyrismen, von Iaason Keramidis honigsüß zelebriert, dann wogen wellenartige Partien erregt und intensiver gestrichen, dann endet alles wieder fahl, während die vier Schlagzeuger hereinkommen für das nächste Stück mit dem Titel „Motus II“.

Schlagwerkbatterie

Die riesige Schlagwerkbatterie hatte vorher schon die Bühne dominiert: Vier verschieden gestimmte Xylophone vereinen Melodie und Rhythmus, dann kommen die Trommeln dazu samt verschiedenen kleinen Becken, der Gong wird gerührt, die Kesselpauke rumort unheimlich leise, schließlich werden Geigenbögen an den Xylophonstäben entlanggezogen, was feine ferne Klagelaute ergibt. Die Röhrenglocken klingen wie ein englisches Carillon, das am Schluss zu explodieren droht, bis alles in einem Xylophongewitter endet.

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