Bad Aibling – Der große Saal im Novalishaus in Bad Aibling quoll geradezu über von Zuhörern, zusätzliche Stühle wurden hereingeschleppt, einige Gäste mussten doch stehen. Im Rahmen der Reihe „Musik am Nachmittag“ spielten gleich zwei Bläserensembles: das Blechbläserquintett „Brass Esprit“ und das Klarinettenquartett „Clarimotion“, also Esprit gegen Emotion, Blech gegen Holz oder – wie es der humorvolle Sprecher Markus Eham formulierte – „Heavy Metal gegen die Holzwürmer“, ja er sprach sogar von einer „Apartheid zwischen Holz und Blech“, die dann doch in eine „Gromuko“ mündete, einer „großen musikalischen Koalition“.
Die Blechbläser begannen mit Renaissance- und Barockmusik und endeten mit moderner Musik, die Klarinetten begannen mit Mozart und endeten mit George Gershwin, beide bespielten also einen großen musikalischen Zeitbogen.
Mit einem abgerundeten, feinsinnigen und sorgfältig austarierten Gesamtklang boten die Blechbläser die Eingangs-Fanfare samt Chorus von Dietrich Buxtehude, mit schön abgestuften Klanggruppen und transparenter Polyphonie die „Canzon secunda“ von Giovanni Gabrieli, während sie in „Diapason mouvement“ des englischen Organisten John Keeble (1711 bis 1786) den strömenden Orgelklang gut in den Blechbläserklang transponierten. Expressives Fließen prägte das Andante der Suite von Thorwald Hansen (1847 bis 1915).
Spanisches Feuer
und Erotik
Quirlige Unruhe und pulsierende Leichtigkeit herrschten bei den Klarinetten in der Ouvertüre zu Mozarts „Hochzeit des Figaro“, scherzhaft wirbelnd und trillernd mit heiter quiekenden Einwürfen war das „Scherzo“ von Eugène Bozza (1905 bis 1991), voll sanftem spanischem Feuer und Erotik mit geheimnisvoll lockendem Beginn waren zwei Sätze aus der „Carmen-Suite“ von Georges Bizet.
Am Ende wurden alle bluesig beziehungsweise jazzig: Die Bassklarinette fungierte wie ein Zupfbass in dem rhythmisch leicht verwegenen „St.-Louis-Blues“ von W.C. Handy (1873 bis 1958), klarinettistisch subtil swingend klang „Liza“ von George Gershwin.
Nach dem „Blues March“ von Benny Golson (geboren 1929) trumpfte die Basstuba gewaltig auf in den „Vientos Flamencos“, also den Flamencos der Winde, geschrieben von Bernhard Etzel (geboren 1939), der normalerweise für den „Blechschaden“ komponiert und arrangiert.
Erst am Ende vereinten in der Zugabe sich alle Musiker zur großen musikalischen Koalition in „Five Four“ von Markus Eham, dem wirklich witzigen Sprecher.