Niemals die Hoffnung aufgeben

von Redaktion

Premiere der Theatercollage „Ringparabellum“ von Annett Segerer im Theater Wasserburg

Wasserburg – Eine zeitgenössische Interpretation von Lessings „Ringparabel“ bot das Ein-Personen-Stück „Ringparabellum“ im Theater Wasserburg. Es zeigt, dass der Wunsch der Menschen nach Frieden, Aufklärung und Toleranz stets präsent ist. Die Erfüllung hingegen scheint auch in der Gegenwart so schwer wie nie zuvor. Ob es nun am Menschen selbst oder an seinem Glauben liegt – dieser metaphysischen Frage ging das Monodrama von Annett Segerer nach.

„Die Welt ist schlecht, sehr schlecht, ein Tollhaus wo Irre andere Irre in Ketten legen“, begann Darsteller Nik Mayr seinen rund einstündigen Monolog. Darin stellte er fest, dass die Werte und Ideale der Menschen durch religiösen Übereifer, aber auch durch Demagogie und Manipulation immer wieder fehlgeleitet werden. Dabei wäre ein friedliches Zusammenleben so einfach, würde sich die Menschheit an der Botschaft der „Ringparabel“ orientieren. Mayr war Redner und Kommentator, Berichterstatter und Erzähler in einer Person.

Die „Ringparabel“ ist zentraler Bestandteil des Ideendramas „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing. In Jerusalem, der Stadt die Juden, Christen und Muslime für sich beanspruchen, herrscht 1192 nach dem Dritten Kreuzzug Waffenstillstand. Nathan, ein reicher jüdischer Kaufmann soll Sultan Saladin beantworten, welcher Gott nun „der wahre Gott“ sei. Nathan entgegnet mit der „Ringparabel“. Darin erzählt Nathan von drei Brüdern, die jeder einen Ring vom Vater geerbt haben. Doch nur einer der Ringe – sie verkörpern den jüdischen, christlichen und moslemischen Glauben – besitzt wundertätige Kraft. Ein Richter soll entscheiden, welcher Ring der echte ist. Doch der Beweis lässt sich nicht führen. Welche Religion die richtige ist, zeigt sich nach Lessing nur im Handeln und nicht am geschriebenen Wort.

Bedauerlicherweise orientiert sich das Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen und Religionen nicht an Lessings Aufklärungsdrama, sondern meist an den Herrschaftsansprüchen und der Machtbesessenheit einzelner. Sinngemäß meint das Kunstwort „Parabellum“, wer den Frieden will, solle sich auf den Krieg vorbereiten. Die Parabellumpistole, eine während beider Weltkriege populäre Dienstwaffe, war also nicht nur Namensgeber für das Stück, sie diente auch als Assoziationssymbol für die Entstehungsmechanismen der Kriege im 20. und 21. Jahrhundert mit Abermillionen von Toten bis zur Gegenwart.

Als Redner stellte Nik Mayr die Frage, wer diese Kriege führt. „Es ist nicht der Teufel oder Dämonen, nicht Satan oder der Dämon Belphegor. Es sind Herrscher und unmenschliche Machtmaschinen“, lautete die banale Erkenntnis. Dabei wären Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit doch viel mehr als nur schöne Ideen. Es ist Zeit, die Versprechen der Demokratie umzusetzen, forderte der Kommentator Nik Mayr, der in jeder seiner Rolle überzeugen konnte.

Immer wieder wurden die Thesen der Ringparabel mit zeitgeschichtlichen Ereignissen der jüngeren Vergangenheit in Bezug gesetzt. Gebt dem Frieden doch endlich eine Chance, lautete der bewegende Schlussappell.

Vor dem Hintergrund der Dauerkonflikte in Afrika, im Nahen Osten und der Integrationsdebatte in Deutschland gelang Annett Segerer, die auch Regie führte, eine mitreißende Theatercollage. Es bleibt der ernste Bezug zur Gegenwart und die bittere Erkenntnis, dass die Annäherung der Religionen seit dem Mittelalter nicht weitergekommen ist. Doch auch wenn zwischen „Ringparabel“ und „Parabellum“ 238 Jahre fortwährender Konflikte liegen, sollte die Hoffnung niemals aufgegeben werden, so die zentrale Botschaft von „Parabellum“.

Weitere Aufführungen

Weitere Vorstellungstermine: sind am Freitag, 2. März um 20 Uhr und am Sonntag, 4. März, um 19 Uhr. Weitere Informationen sowie Karten gibt es im Internet über www.theaterwasserburg.de. Karten im Vorverkauf sind bei der Buchhandlung Fabula und bei Versandprofi Gartner in Wasserburg und im Kroiss-Ticketzentrum Rosenheim erhältlich.

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