Rosenheim – Der „Grant“ als bayerisches Lebensgefühl wurde vom Buchautor Thomas Grasberger mal als der „Blues des Südens“ bezeichnet. Doch der Grant sei mehr als lediglich Nörgeln, sogar lustig, spöttisch und derbleckend könne der Grant daherkommen, so Grasberger. Ein anderer Grant spielte nun auf der kleinen Bühne des Jazzclubs „Le Pirate“ auf, und zwar der gebürtige kanadische Tenorsaxofonist Grant Stewart, der gerne mit den Größen Dexter Gordon und Sonny Rollins verglichen wird.
Seine neueste CD „Live at Smalls“ erhielt 2013 den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Besonderes Lob erhielt er auch für seine Aufnahmen von Duke Ellington-Klassikern und für die beiden CDs mit seinem Saxofonkollegen Eric Alexander.
Grant Stewart brachte drei europäische Kollegen mit: Fabio Miano zählt seit mehreren Jahrzehnten zu den herausragenden Pianisten Europas, Bassist Ignasi Gonzales ist ein gefragter Sideman amerikanischer Solisten und der Schlagzeuger Bernd Reiter, Preisträger beim österreichischen Jazzpreis und ein beliebter Stamm-Musiker im „Pirate“, spielte trotz seiner Jugend bereits mit vielen Größen des Jazz wie John Marshall oder Joe Haider.
Mit einem schönen „Namely you“ von Benny Golson stieg das Quartett ein. Mit seinem weichen, warmen Sound und in keiner Weise grantig nahm der freundliche Kanadier das Publikum sofort für sich ein und zauberte harmonische Klänge in den Raum, zog sich auch zurück und überließ Miano das Feld für seine eleganten Pianoläufe.
Im Up-Tempo interpretierte das Quartett einen Song von Frank Loesser. Grant Stewart und Co. drehten mächtig auf und es ging mit vielen Phrasierungen und kleinen musikalischen Seitenschlenkern munter die Tonleitern rauf und runter, garniert von einem Solo von Reiter am Schlagwerk.
Im Kontrast dazu stand der Klassiker „Shadow of your smile“, der in den sechziger Jahren einen Oscar für den besten Filmsong erhalten hatte. Mit viel Schmelz geriet die Ballade sehr rührselig, gefolgt wiederum von einem „Something to live for“, aus der Feder von Billy Strayhorn, dem Begleiter Duke Ellingtons. Ella Fitzgerald nannte das Stück, eine Vertonung eines Gedichts, als ihr Lieblingslied. Die Band zeigte sich bestens eingespielt und Grant Stewart verwies in seiner Moderation auf die jahrzehntelange Freundschaft der Musiker, was sich nicht nur in der Routine zeigte, sondern in einem tieferen Verständnis. Fließend gerieten die Übergänge der Soli von Stewart und Miano, und Bernd Reiter sorgte immer wieder für tolle dynamische Ausbrüche am Schlagzeug – bester Jazz!