Wohlgefühl im Gewölbe

von Redaktion

Das Vokalensemble „6 for Chords“ im Klosterstüberl von Kloster Seeon

Seeon Stimmliches Klanggold bot das Münchner A-cappella-Vokalensemble „6 for Chords“ seinen Besuchern im Klosterstüberl des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon. Es ist wahr, manchmal ist weniger mehr. Und dieses Mehr ist dann ganz besonders schön. Die sechs jungen Vokalisten Ruth Schmidt (Sopran), Veronika Sammer (Mezzosopran), Julia Mayrhofer (Alt), Andreas Zehent (Tenor), Raphael Mayrhofer (Bariton) und Clemens Liewald (Bass) kannten sich auch aus der Gesangszene und fanden 2013 zusammen. Für ihr Konzert brauchten sie nur ihre Stimmen. Zugegeben, die Akustik im Gewölbe des Klosterstüberls erwies sich als wunderbarer Klangverstärker. Auch der Ideenreichtum und die Ausgestaltung der Lieder waren willkommene Würze im kurzweiligen Programm. Trotzdem, es bleibt etwas Besonderes, wenn es Musiker allein mit ihren Stimmen schaffen, Musikinstrumente zu ersetzen und in derlei Klangfarben Werke unterschiedlichster Epochen und Genres mehrstimmig erklingen zu lassen.

An den rot beleuchteten Säulen des Gewölbes, also nicht auf der Bühne, sondern mitten unter den Gästen, standen die Vokalisten und ließen vielstimmig und mit exzellenter Harmonie ihre Stimmen an- und abschwellen. Der Spaß am Rhythmus, am musikalischem Miteinander, dem Ineinanderfließen der unterschiedlichen Stimmlagen verbreitete sich im Gewölbe und erzeugte ein Wohlgefühl, das sich bis zum Konzertende noch steigerte. Die gehörten Lieder und die Art, sie zu singen, zeugen von einer erfreulichen Stil- und Genre-Offenheit des Vokalensembles. Ihre ideenreiche Umsetzung in kleinen, feinen Bewegungschoreografien und Tanzschritten lassen schmunzeln und lachen. Neben „Fever“ von Eddie Cooley, „Chili con Carne“ von Anders Edenroth, „Et Maintenant“ von Gilbert Becaud kamen auch ausgesprochen gelungene Eigenkompositionen zu Gehör, wie ein vertontes Poetry-Slam „Synästhesie“ von Clara Nielsen oder einige vertonte Gedichte von Heinz Erhardt, welche durch diese Art von Bearbeitung um eine Extraportion Humor bereichert wurden. Gegen Konzertende legte das Ensemble noch etwas drauf, machte Albert Hammonds „I‘ m a Train“ zum stimmlichen Hochgeschwindigkeitszug und verlieh Randy Newmans „Short People“ Musical-Charakter.

Dafür und für das gesamte Konzert gab es verdient jubelnden Applaus und eine stimmgewaltige Verlängerung des Hörvergnügens in Form von Zugaben.

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