Extravagantes Konzert mit Harfe und Schauspiel

von Redaktion

Swantje Wittenhagen und Alexander Tran im alten Sachranger Schulhaus

Aschau – Dass das Musik-Forum Sachrang in seiner Programmauswahl – auch bei den Meisterkursen für junge Musiker – Wert auf Erlesenheit und Besonderes legt, wissen interessierte Konzertbesucher schon lange, aber dass es beim Konzert diesmal nicht nur Harfe-Solo, sondern auch Schauspiel geben würde, war für das Publikum im dicht besetzten Erkersaal des alten Sachranger Schulhauses ein Novum: überraschend, unerwartet und beeindruckend.

Im ersten Teil des Konzerts hielt die 18-jährige Swantje Wittenhagen elegant und virtuos Zwiesprache mit der Harfe. Swantje Wittenhagen, deren Harfenspiel schon so manchem der Zuhörer von Meisterkursen der vergangenen Jahre vertraut war und die erst seit vergangenem Herbst bei der Sachranger Professorin Margit-Anna Süß in Graz studiert, zeigte bei der Sonate in c-Moll von Sophia Corri-Dussek (1775 bis 1828) Ausdrucksstärke. Mit einem Lächeln den Piano-Echo-Effekt bestätigend, souverän bei der beinahe mozartesk anmutenden Reprise im schnellen Finalsatz, da wurde die Künstlerin eins mit ihrem Instrument. Bildhaft gestaltete sie dann „La Mandoline“, eine romantische Fantasie von Elias Parish-Alvars (1808 bis 1849): fein im Ton, delikat in der Dynamik, träumerisch, und dennoch ausgewogen affektvoll.

Die 1939 von Paul Hindemith (1895 bis 1963) komponierte Sonate stellt eine Herausforderung schon allein durch ihren Aufbau dar, ist der erste Satz doch hauptsächlich von Akkorden durchzogen, während der zweite Satz aus vielen springenden Tonpunkten besteht. Der dritte Satz, ein Lied nach einem Gedicht von Ludwig Christoph Heinrich Hölty, gemahnt an einen A-cappella-Chorsatz. Swantje Wittenhagen gelang das Bravourstück, all diese Besonderheiten des Werks einzufangen.

Im zweiten Teil des Konzerts gab es dann Musik und Schauspiel: Der 23-jährige Alexander Tran, derzeit Student bei Professor Martin Woldan in Graz, mimte Tschaikowsky, der mit sich, aber auch um seinen Platz in der Gesellschaft kämpft, dessen Leben zwischen überschwänglicher Euphorie und abgrundtiefer Trauer schwankt. Swantje Wittenhagen zeichnete mit ihrem Instrument das Leben des Komponisten musikalisch nach. Die Fantasie über ein Thema aus der Oper „Eugen Onegin“ von Ekaterina Walter-Kühne (1870 bis 1930) und die Variationen über die Oper „Pique Dame“ von Valeri Kikta (geboren 1941) waren da perfekt gewählt, verlangen sie doch Zartheit mit vielen Glissandi und dann wieder kraftvolles Spiel.

Zur Solo-Uraufführung gelangte dazwischen das Stück „Entr’acte“ des Traunsteiner Komponisten Patrick Pföss (geboren 1981). Es ist ein Werk wie aus einem Guss, das die Extreme Tchaikovskys musikalisch zusammenfasste, tiefe Lagen, dann wieder süßlich höhe Töne, spannungsreich und hypnotisch anziehend.

Da passte denn auch, dass sich Harfenistin und Schauspieler wie beim Spiel „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“ immer wieder mit Blicken maßen.

Es gab stürmischen Applaus für dieses extravagante und erlesene Konzert.

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