Lächelnde Perfektion und melodischer Wohlklang

von Redaktion

Das Daedalus-Quartett gastierte im kleinen Kursaal von Bad Aibling

Bad Aibling – Es ist benannt nach dem sagenhaften griechischen Erfinder, Künstler und Baumeister und besitzt eine sagenhafte Klangkultur: das im Jahre 2000 gegründete nordamerikanische Daedalus-Quartett. Das Publikum im kleinen Kursaal von Bad Aibling durfte sich glücklich schätzen, den vier Musikern Min-Young Kim und Matilda Kaul (Violine), Jessica Thompson (Viola) und Thomas Kraines (Violoncello) bei der Ausübung ihre Kunst zuhören und zusehen zu dürfen. Im Rahmen der Reihe „Klassik!Bad Aibling“ spielte das Daedalus-Quartett Werke von Mendelssohn, Charles Ives und Johannes Brahms.

Bei den beiden Sätzen Andante sostenuto und Scherzo aus dem op. 81, zu dem eigentlich noch ein Capriccio und eine Fuge gehören, handelt es sich um Kompositionen aus Mendelssohns Todesjahr. Die Streicher verströmten bereits im ersten Satz melodischen, sanft wiegenden Wohlklang. Weiche Pizzicati, ein geschmeidiger Tonfluss und eine lebhaft rhythmische Ausgelassenheit im Scherzo beseelten die Hörer bis zum letzten Takt. Wie die vier Musiker mit lächelnder Perfektion aufeinander eingingen und eine berückende spielerische Leichtigkeit zeigten, war ein großer Genuss.

Charles Ives (1874 bis 1954), zu dessen Streichquartett Nr. 2 op. 19 Bratschistin Jessica Thompson eine kurze Einführung auf Englisch gab, gilt wegen seiner Originalität und Vitalität als einer der bedeutendsten amerikanischen Komponisten. Die Sätze erläutern bereits mit ihren Namen „Discussions“ und „Arguments“ die musikalischen Inhalte. Mal von elegischer Leidenschaftlichkeit, mal rasch und hektisch dissonant, dann wieder, wie in „The call of the mountains“ mit monotonen Rhythmen und sanften Cello-Passagen, verlangte die Komposition vom Publikum konzentrierte Hingabe. Bizarre Raumklangwirkungen gingen über in collageartige Zitate aus Volksmusik und Klassik, etwa, wenn das Daedalus-Quartett die Anfangstakte von Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ spielte.

Bei der eingängigen und farbigen Melodik von Brahms drittem Streichquartett in B-Dur op. 67 durften sich die Hörer nach der Pause wieder erholen. Voller Fröhlichkeit war der Kopfsatz, den die Musiker mit zupackendem Schwung und Frische zum Erklingen brachten. An Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ erinnerte das eher ernste, melancholische Andante, während das Agitato düster und geheimnisvoll wirkte. Zu Herzen ging schließlich das variationenreiche Finale, das vom Daedalus-Quartett mit orchestralem Furor interpretiert wurde. Nach dem anhaltenden Beifall spielten die vier Musiker als Zugabe noch das zarte Adagio aus dem dritten Streichquartett op. 1 von Joseph Haydn.

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