Aschau – Christian Wolff, bekannt als Theater-, Kino- und Fernsehschauspieler, feiert am heutigen Samstag seinen 80. Geburtstag. Und anstatt sich hochleben zu lassen, feiert der Schauspieler lieber dort, wo er sich wohlfühlt, nämlich auf der Theaterbühne. Christian Wolff, in Berlin geboren und aufgewachsen, absolvierte an der Max-Reinhardt-Schule ein Schauspielstudium, ehe er für Kino- und Fernsehfilme entdeckt wurde und auf vielen Bühnen in ganz Deutschland arbeitete. Bis heute ist er vielen Zuschauern als Förster Martin Rombach aus der TV-Serie „Forsthaus Falkenau“ bekannt. Der Schauspieler lebt mit seiner Frau Marina seit über drei Jahrzehnten in Aschau.
Herr Wolff, was ist Ihnen lieber? Theater, Fernsehen oder Kino? Sie haben ja auch als Synchronsprecher gearbeitet und unter anderem Pierre Brice, Alain Delon und Anthony Perkins Ihre Stimme geliehen.
In den letzten Jahren habe ich immer mehr Theater gespielt. Ich schätze den engen Kontakt mit dem Publikum. Das Synchronisieren ist ja jetzt schon über ein halbes Jahrhundert her, das machen inzwischen andere Kollegen. Wissen Sie, in meinen 60 Berufsjahren habe ich so viele Rollen gespielt, da habe ich keinen Favoriten, das sind ja, wenn man so will, immer Phasen. Und eine tolle Theaterrolle ist allemal besser als eine schlechte TV-Rolle.
Wie lernen Sie Ihre Texte? Können Sie noch Ihre Rollen nachsprechen?
Beim Fernsehen brauche ich die Texte ja später nicht mehr, die vergesse ich schnell. Anders ist es beim Theater, da spielt man eine Rolle ja öfters. Einzelne Sätze kann ich sicher auch nach 60 Jahren noch rezitieren, aber meist gehen die Sätze genauso schnell wieder weg wie ich sie gelernt habe. Auch wenn das im Alter doch etwas langsamer geht (lacht). Ich lerne optisch, das heißt, ich weiß genau, wo der Satz steht, also auf der Seite so und so im letzten Drittel unten.
Gibt es eine Rolle, die Sie heute bereuen? Ihr erster Kino-Film „Anders als du und ich“ von Veit Harlan aus dem Jahr 1957 wurde anfangs wegen zu positiver Darstellung der Homosexualität zunächst nicht freigegeben. Wie stehen Sie heute zu dem Film?
Nein, ich habe alle Rollen gerne gespielt. Heute bekäme ein solcher Film wie „Anders als du und ich“ kaum mehr Aufmerksamkeit. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (FSK) hatte damals mehr Einfluss. Erst nachdem Harlan ein Plädoyer gegen den Paragrafen 175 (der sogenannte Homosexuellen-Paragraf 175 des deutschen Strafgesetzbuchs wurde 1994 abgeschafft, Anm. der Red.) entfernt hatte, Dialoge nachsynchronisieren ließ und der Film in einer nachgedrehten Szene der deutschen Gerichtsbarkeit genüge tat, wurde er für deutsche Kinos freigegeben. Das war damals eine politische Entscheidung.
Derzeit sind Sie in Bonn in „Fremde Verwandte“ am Contra-Kreis-Theater in Bonn zu bewundern, aber im Fernsehen sind Sie weniger präsent. Wollen Sie nicht mehr?
Das Fernsehen ist insofern schwierig, weil es dort eher kurzfristig Angebote gibt. Beim Theater hingegen werden Engagements langfristig vertragsmäßig festgelegt. Ich weiß zum Beispiel heute schon, dass ich im Mai und Juni 2019 in Hamburg spielen werde, und dann habe ich auch schon für eine Tournee und Auftritte in München im kommenden Jahr zugesagt. Und wie schon vorhin gesagt, beim Theater stehe ich in engem Kontakt mit meinem Publikum. Das schätze ich sehr.
Sie sind gebürtiger Berliner. Wie hat es Sie denn in den Chiemgau verschlagen?
Wir wohnten damals in München. Eigentlich ist meine Steuerberaterin schuld, denn sie empfahl uns, eine Wohnung in einer schönen Urlaubsgegend zu kaufen und diese anschließend zu vermieten. Aber dann gefiel uns die Umgebung so gut, dass wir selbst die Wohnung quasi jedes Wochenende genutzt haben und schließlich sogar ganz hergezogen sind.
Hildegard Knef hat ja mal gesungen: „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin?“ Geht Ihnen das auch so?
Ja und nein. Unser Sohn Patrick lebt und arbeitet ja inBerlin, von daher sind wirnoch oft dort. Aber es hat sich dort viel verändert, wenngleich es natürlich schön ist, dass Berlin inzwischen frei und geöffnet ist. Berlin-Mitte oder der ehemalige Berliner Osten wirken auf mich manchmal wie eine fremde Stadt, da fühle ich mich eher als Tourist. Aber berlinern kann ich noch!
Interview: Elisabeth Kirchner