Rosenheim – Um die Spannung zu erhöhen, lässt er auf sich warten. Doch nachdem die ersten Fans ungeduldig und gut hörbar in die Hände geklatscht haben, tritt Michael Mittermeier plötzlich ins Scheinwerferlicht. Sein neues Programm, das den martialisch-parodistischen Titel „Lucky Punch – Die Todes-Wuchtl schlägt zurück“ trägt, sei noch nicht fertig, verrät der Kabarettist. „Ihr seid mein Testpublikum“ und „Wenn heute Abend keiner lacht, hab ich die nächsten zwei Jahre keinen Job“. Solche Befürchtungen brauchte sich Mittermeier im restlos ausverkauften Rosenheimer Ballhaus nicht zu machen, kam doch das Publikum bis zur letzten Minute auf seine Kosten.
Comedy und Politkabarett
Mit etwas heiserer Stimme, aber voller Energie gelang es Mittermeier, zahlreiche Pointen zu zünden und amüsante Anekdoten zu erzählen. Der gebürtige Dorfener bot eine muntere Mischung aus Comedy und Politkabarett, wechselte mitunter ziemlich sprunghaft von einem Thema zum nächsten. Zum Vergnügen des Publikums bewegte sich Mittermeier dabei auch immer wieder auf schlüpfrigem Terrain. An „Wuchtln“, also witzigen Antworten auf unvorhergesehene skurrile Situationen, fehlte es ihm dabei nicht.
Wenn die AfD in Österreich 12,6 Prozent erhalten würde, wäre das dort ein Linksruck, so Mittermeier. Dem „Boykanzler“ Kurz, der ein Enkel von Angela Merkel sein könnte, würden die Politiker am liebsten eine Kommunionskerze schenken. Die Frage „Wer von euch Kindern will denn meinen Stab halten?“, sollte ein Bischof aber heute nicht mehr stellen. Dass er die Donald-Trump-Nummer in seinem Programm nicht spielen kann, hat Mittermeier klar entschieden, denn: „Man muss irgendwann in seinem Leben erkennen, wer der bessere Komiker ist.“ Trumps Idee, Lehrer mit Waffen auszustatten, sei etwa so klug wie die Empfehlung, mehr Bier zu trinken, um nüchterner zu werden.
Die Koalitionsverhandlungen „Staffel 1 und 2“ erinnere ihn an einen Kindergarten: „Ist das schon eine Regierung?“. In Anspielung auf den Mitgliederentscheid der SPD sei das so, als würde man auf die Frage „Willst Du mich heiraten?“, antworten: „Ja ich will, aber ich muss erst meine Mama fragen.“ Gut, dass Helmut Schmidt das nicht mehr erlebt habe. Der sei für Dieselautos der beste Feinstaubfilter gewesen, den die Evolution je hervorgebracht habe. Dass man unter einer Wuchtl keine österreichische Süßspeise versteht, sondern einen Scherz, lernte eine vorwitzige, aber ahnungslose Dame aus dem Publikum. Deftig und derb ging es zur Sache, als Mittermeier die You-Tube-Geschichte vom Schimpansen erzählte, der mit einem Frosch „einvernehmlichen Sex“ hat. Deswegen sei eine Koalition Schwarz-Grün für ihn ein Problem.
Grimassierend imitierte Mittermeier Katzengewimmer, als er Kampfszenen mit Bruce Lee und Chuck Norris in Szene setzte. Einen „Lucky Punch“ erlebte der Kabarettist in Südafrika. Da antwortete er schlagfertig auf die lebensbedrohlichen Pöbeleien besoffener Engländer: „Zwar zwei Weltkriege verloren, aber dafür haben wir nicht wie ihr Elfmeter verschossen!“
Musste Mittermeier früher zu Fuß zwei Kilometer in die Schule gehen, halte der Schulbus heute 20 Meter vor der Haustür: „Auf dem Weg dorthin streuen die Eltern für die Kleinen noch Rosenblätter“. Ob Anti-Allergie-Training im Heuschober, eine missionarische Zwiebelkönigin oder als „Schnitzel-Hitler“ titulierte Veganer: mit seinen originellen Einfällen sorgte der Kabarettist immer wieder für Lacher.
„Das Schönste auf der Welt ist die Liebe“, so Mittermeiers Resumee. Sein Rat an die Männer: „Das Herz einer Frau eroberst Du nur mit Humor!“.