Noch tanzt Coppelia und nicht Alexa

von Redaktion

Premiere von „Ein Puppentanz nach Coppelia“ am Theater Wasserburg

Wasserburg – Mit dem „Puppentanz nach Coppelia“ bringt das Wasserburger Theater „eine Geschichte zur Gegenwart“ auf die Tanzbühne und inszeniert eine in ihrer Dynamik kraftvolle Auseinandersetzung mit dem aktuellen Thema „Künstliche Intelligenz“. Damit setzt die Bühne nicht nur inhaltlich einen Akzent, sondern bereichert das künstlerische Angebot in der Sparte Tanztheater um eine moderne Ästhetik. Zwar von Regina Alma Semmler als Kinderstück konzipiert, ist das Tanztheater auch für Erwachsene sehr empfehlenswert, wie die gut besuchte Premierenvorstellung zeigte.

Die Vorlage für das Tanztheaterstück reicht auf das Ballett „Coppelia“ aus dem Jahr 1870 von Léo Delibes nach einem Libretto von Charles Nuitter und Arthur Saint-Léon zurück, die Motive von E.T.A. Hoffmann verwendeten. Ein Forscher entwickelt eine menschenähnliche, wunderschöne Maschine, in die sich ein junger Mann verliebt. Doch er verlässt die Puppe zugunsten eines Menschen, womit die Handlung dem damals herrschenden Moralkodex folgt.

Unter Anleitung von Regina Alma Semmler erfährt das als klassisches Ballett angelegte Stück nicht nur eine Adaption an das freie Tanztheater, sondern auch eine zeitliche Adaption an unsere unmittelbare Zukunft, wenn nicht Gegenwart, da heute schon ein Zusammenleben mit virtuellen Assistenten wie „Alexa“ mancherorts Normalität ist. Dabei geht die Choreografin der Frage nach: „Was passiert, wenn sich die Maschine verselbstständigt – und können wir das verantworten?“

So lernen die Zuschauer zu Beginn den „Professor Coppelius“ (Nick Mayr) in seinem Forschungslabor kennen. Wie jeden Morgen überprüft er die Programmierung seiner Roboter, die er über Musik (von Léo Delibes) „erzieht“. Wenngleich die „moving heads“ (Bühnenleuchten), tatsächlich programmiert sind (Larissa Rasguljajew): Mit zwei grünen Bommeln ausgestattet wirken sie im „Gespräch“ mit ihrem Meister und ihren auf die Musik ausgerichteten Bewegungen so, als hätten sie wirklich ein Eigenleben. Was natürlich die Kinder lustig finden, gerade wenn es darum geht, wer die letzten Gummibärli gegessen hat.

Doch auf sein Meisterwerk, eine wunderschöne, humanoide Puppe (Ceren Oran), ist der Professor besonders stolz: Er lehrt sie, menschliche Bewegungen und Handlungen nachzuahmen. Bis ein junger Mann, Franz (Roni Sagi), sich in sie verliebt und die Puppe über diese Begegnung ihren eigenen Willen, ja Seele entdeckt. In jedem Detail ihrer Bewegungen zeichnen die beiden Tänzer ihre langsame Annäherung, das gegenseitige Gefallen und Erwecktwerden nach.

Es ist einfach nur schön, „Coppelia“ dabei zu zusehen, wie sie ihren Körper und seine Fähigkeiten entdeckt. Wie ihre Mimik weicher, die roboterhaften, eckigen Bewegungen fließender werden, bis sie sich von ihrem Meister befreit – ihm auch mal die Pizzaschachtel auf den Kopf haut – schließlich Pirouetten dreht und geradezu entfesselt dem Laboratorium entflieht. Allerdings, interessanterweise, nicht nur gemeinsam mit dem jungen Mann, sondern auch mit ihrem Schöpfer.

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Weitere Vorstellungen sind am Samstag, 17. März und Sonntag, 18. März sowie am Samstag, 14. April und am Sonntag, 15. April. Vorstellungsbeginn ist samstags um 15 Uhr, sonntags um 11 Uhr. Kartenverkauf unter www.theaterwasserburg.de.

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