Rosenheim – Ein Tisch, ein Stuhl, eine Gitarre und ihre „scharfe Goschn“: Mehr braucht Martina Schwarzmann nicht, um zweimal für einen ausverkauften großen Saal im Kuko zu sorgen und ihre Zuhörer zu begeistern. Keine besondere Werbung, keine Marketing-Aktionen – und schon gar kein Facebook, Instagramm oder Twitter: „I hob koa Smartphone. I hob ja mi.“ Und das reicht unter die Haut: Ehemann, drei Kinder, Bauernhof und das Leben auf dem oberbayerischen Land liefern auch im aktuellen Programm „Genau richtig“ mehr als ausreichend Vorlagen für ihre Texte und Lieder. Das findet jedenfalls ihr Publikum, das die Themen und Szenen alle ganz genauso kennt, aber eben nicht so auf den Punkt bringen könnte wie Schwarzmann.
Beispielsweise die Situationen, wo du „nix wia weg“ willst: Drei Kinder im Hallenbad sollen schleunigst aus dem Wasser kommen, zwei folgen, eines schreit: „Wart’s ma, bis i fertig biesld hob.“ Peinliches aussprechen, ohne dass es peinlich wirkt, das ist die große Stärke von Martina Schwarzmann. Für sie gibt es kaum eine Schamgrenze, und trotzdem wird niemand bloßgestellt. Da wirkt alles authentisch, selbst wenn mit bekannten Klischees gespielt wird.
Beispiel Integration: Schwarzmann redet nicht über Flüchtlinge, sondern es sind die „Preißn“, für die sie sich ins Zeug wirft. Denn die könnten ja nichts dafür, wenn zu uns nach Bayern immer die Unsympathischen, die Streithansln, kämen: „Doch gwiss ned deswegn, weils dahoam so vui Freind ghabt hättn, oda?“ Oder der „Weibastammtisch“, bei dem sie immer bis zum Schluss bleiben muss, „sunnst redn’s danoch bloß no üba di.“
Dreckige Fenster, weil das Putzen ganz unten auf der Pflichtenliste steht („um hoibe eife auf’d Nacht siegst na nix mehr“); Kinder, die nicht jeden Tag eine frische Unterhose anziehen wollen („Win-win: I wasch ned gern“); Cellulite und Krampfadern nach dem dritten Kind („Mia steht’s“); Scheitern bei der Erziehung („I wui bloß, dass de Kinda spada amoi bessa ham kennan“): Es ist ein sympathisch unperfektes Leben und damit genau das Leben ihrer Zuhörerinnen, das Martina Schwarzmann lustvoll in allen Details zeichnet. Und sie steht mit scheinbar unverrückbarem Selbstbewusstsein zu dem, was üblicherweise unter der Decke bleiben soll. Zum Beispiel das unerfüllte Sexualleben: Dass sich Ehefrauen für einen Thermomix vom „oreidign“ Partner zu mehr Experimenten im Bett überreden lassen, führt bei ihr zu einer Thermomix-Unverträglichkeit. Ihr Sex-Rat kommt ohne Umschreibungen aus: „Wer vögeln will, muss freundlich sein.“
Das altersgemischte Publikum mit Schwerpunkt um die 50 stutzt, lacht, und ist dann voll bei ihr: „I bin so mittelalt, bin so mittel-gscheid, bin so mittelschee, wia de meistn Leid.“ Und auch so mittelmusikalisch, könnte man ergänzen, was keine Einschränkung bedeuten soll: Schwarzmann ist eben perfekt unperfekt, und das bis zur letzten Minute. Zugaben? Eine, dann muss Schluss sein, weil: „I bin narrisch gern live bei eich, aba sunst hob i gern mei Ruah.“ Und in der Früh warten schließlich wieder Kinder und Bauernhof.
Für eine Zusatzvorstellung von „Genau richtig“ am Donnerstag, 12. Juli, 20 Uhr, im Kuko gibt es noch Karten.