Rosenheim – Die dritte und letzte Matinee der Saison des Tonkünstlerverbands überraschte das wieder zahlreich erschienene Publikum mit einer seltenen, aber exquisiten Trioformation: Klarinette (Livia Teuer), Fagott (Rainer Seidel) und Klavier (Yume Hanusch). Das Motto: „Aus Freundschaft“.
Freundschaftliche Gefälligkeiten – auch musikalische – können extrem unterschiedlich ausfallen: Da schrieb Mozart sein Trio angeblich auf einer Wiener „Kegelstatt“ in entspannter Atmosphäre für seine Freunde. Mozart durfte sich sozusagen „gehen lassen“ – kompositorisch natürlich auf höchstem Niveau, versteht sich. Der muntere, betont musikantische Duktus sorgte augenblicklich auch für eine entspannte und animierte Stimmung im Saal, zumal Rainer Seidel die Zuhörer schon verbal auf die Art und Weise des übermütig humorigen, ja auch blödelnden Umgangs der Wiener Freunde eingestimmt hatte. Herrlich das „plappernde“ Fagott im Menuetto des Kegelstatt-Trios. Trotzdem: Die Heiterkeit kippt nie um in puren Jux; das Stück bewahrt seine Contenance durch die geschmeidigen Melismen der Klarinette, das perlende, präzise und vorwärtstreibende Spiel des Klaviers sowie durch die kunstvolle Faktur.
Mendelssohn-Bartholdy zäumt sein „Konzertstück d-Moll“ im Gegensatz zu Mozart anders auf: Der befreundete Adressat war ein ausgesprochener Virtuose, und so galoppiert dieses kompakte Miniatur-Konzert temperamentvoll über Stock und Stein, wobei die „Reiter“, Livia Teuer, Rainer Seidel und Yume Hanusch alle hochgesteckten Hürden sozusagen „mit links“ meisterten.
Gediegen schöne und lyrisch empfindsame Charakterstücke schrieb Max Bruch für seinen musizierenden Sohn auf dessen Wunsch. Als besonders farbig entpuppte sich die „Rumänische Melodie“, in der das Klavier die attraktive Melodik mit zymbalartigen Arpeggien begleitete. Bruch hielt überhaupt große Stücke auf Folklore und das Volkslied. Sonst sträubte er sich rigoros gegen die „Irrtümer der Moderne“ eines Wagner oder Liszt. Nicht „Zukünftler“, sondern „Kuhzünftler“ meinte er diese Herren titulieren zu müssen, wie Yume Hanusch schmunzelnd den amüsierten Zuhörern verriet.
„Aus Freundschaft“ – dieses Motto erstreckt sich auch auf die drei ideal aufeinander eingeschworenen Musiker. Ein Beamten-Orchester lässt sich im Notfall durch einen despotischen Star-Dirigenten bei der Stange halten. Bei Kammermusik ist Empathie lebenswichtig: Das Trio zeichnete sich durch perfektes Zusammenspiel sowie lebendig pulsierende und intuitive Interaktion aus. Da schließen auch die Zuhörer mit den Musikern gerne Freundschaft.