Holz im Ortsnamen

von Redaktion

Rosenheim/Landkreis – In der deutschen Standardsprache gibt es keinen Zweifel, was der Begriff „Holz“ bezeichnet: „Die aus Zellulose und Lignin bestehende Masse eines Baumes“ (Wiktionary). Eine derartige Erklärung stellt allerdings nicht die ursprüngliche Grundbedeutung von „Holz“ dar. Diese ist zum Beispiel aus dem ersten Vers des zweiten Merseburger Zauberspruches aus althochdeutscher Zeit (750 bis 1050) gut erschließbar: „Phol ende Wuodan fuorun zi holza“ = „Phol und Wotan ritten in den Wald“.

So könnte es auch im heutigen Bairisch heißen: „Der Sepp und die Burga waren im Hoiz beim Schwammerlsuchen“. „Holz“ kann in unserem Sprachraum – neben „Brennholz“ oder „Bauholz“ – somit auch „Wald“ bedeuten. Dies wird durch die vielen Ortsnamen erwiesen, die das Holz als Grundwort, so etwa Lohholz bei Kolbermoor, oder als Bestimmungswort, so etwa Holzheim bei Bruckmühl, stehen haben.

Daneben finden sich Orte, die nur das Holz – alias den Wald – im Namen haben. In Philipp Apians „Topografie von Bayern“ wird Holzen bei Breitbrunn als „villa ad silvam“, also: „Landgut an einem/am Wald“ bezeichnet. Es heißt „Holzen“, nicht „Holz“, weil hier der Ortsname wegen der ursprünglich vorangestellten Präposition „an“ oder „bei“ oder „zu“ im dritter Fall (Dativ) steht.

Weitere Holzen-Orte befinden sich in der Region bei Hirnsberg und Riedering. Ausgerechnet das vielleicht bekannteste „Holzen“, Roßholzen (Gemeinde Samerberg), hat mit Holz nichts zu tun: Der Samerberg war etwa 1165 als Rossoltesperge, 1444 als Roßoltczperg und 1520 als Rossholtzperg bekannt und leitet sich daher laut Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein, „Lexikon Bayerischer Ortsnamen“, vom Personennamen Rossolt her.

Tatsächlich als Grundwort dient „Holz“ aber im Namen „Sonnenholz“ bei Reischenhart. Dieses ist 1354 als Sunderholzen belegt und zeigt dadurch seine „sundar“, „südlich“ – von Reischenhart – gelegene Lage an.

„Holz“ als Bestimmungswort erklärt Groß- und Kleinholzhausen nicht als Dörfer mit Holzhäusern, sondern als Örtlichkeiten bei den „Häusern am oder im Holz“, also „am oder im Wald“. Holzham bei Halfing sowie Holzheim bei Bruckmühl bezeichnen eine Heimstätte am Holz, ebenfalls am Wald. Ob „Holz“ heutzutage tatsächlich nur ein „kleiner Wald“ (Wiktionary) ist, bleibt dahingestellt. In mittelalterlicher Zeit jedenfalls scheint „Holz“ gegenüber „Wald“ klar dominiert zu haben.

„Holz“ bezeichnete laut Kluge, „Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache“, ursprünglich die „Gesamtheit der zu schlagenden Schößlinge des Niederwaldbaumes“ und leitet sich vom indogermanischen Wort „kel“ her, das „schlagen, brechen“ bedeutet. Dieses entwickelte sich lautgesetzlich über germanisch „hulta“ zu alt- und mittelhochdeutsch „holz“. Damit sind wir bestimmt nicht „auf dem Holzweg“. Dieser war seit mittelalterlicher Zeit ein Weg, auf dem Holz geführt wurde und der häufig auf einem Holzplatz endete und nicht mehr weiterführte – ähnlich wie eine Sackgasse und ein Irrweg.

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