Seebruck – Die Kunstszene im Chiemgau und darüber hinaus ist um eine bedeutende Malerin und große Persönlichkeit ärmer geworden: Hildegard Bauer-Lagally ist nach kurzer Krankheit im Alter von 97 Jahren verstorben. Noch bis wenige Monate vor ihrem Tod war ihr liebster Platz vor der Staffelei, so wie ihr ganzes Leben lang. „Wenn ich male, bin ich glücklich“, sagte sie oft.
Geboren am 10. Januar 1921 in Cham im Bayerischen Wald, spielte ihr Vater Dr. Hermann Lagally eine wichtige Rolle für ihre künstlerische Entwicklung. Bei ausgedehnten Spaziergängen in der Natur lehrte er sie das genaue Beobachten und hielt sie zum Zeichnen und Malen des Gesehenen an.
Später studierte HBL, so ihr Kürzel, Kunst an der Malschule von Hein König in München und an der Kunstakademie in der Malklasse von Constantin Gerhardinger und Peter Kalman. Mit ihrem Mann, Dr. Günter Bauer, lebte sie 25 Jahre lang in Düsseldorf und zog drei Kinder auf. Mit ihm unternahm sie auch weite Reisen, besonders nach Marokko, was sich nachhaltig in ihren Bildern niederschlug. Schon 1930 hatte ihr Vater den Thomahof in Arlaching bei Seebruck direkt am Chiemsee erworben, wo HBL ab 1977 mit ihrer Familie lebte und arbeitete. Sie war Großmutter von fünf Enkeln und sechs Urenkeln.
Bauer-Lagallys vielfältiges Werk wird bestimmt vom spannenden Wechselspiel zwischen Realistik und Abstraktion. Die äußerlich wahrgenommene Welt verdichtete sich und fand eine neue Form im Kunstwerk. „Von dieser Malerin kann man Sehen lernen“, schrieb mal eine Kunstkritikerin. Ihre Gemälde schmücken öffentliche Gebäude in der Region ebenso wie viele Privathaushalte.
Zum Anlass der Trauerfeier am heutigen Samstag um 11 Uhr auf dem Gemeindefriedhof in Chieming findet im Anschluss eine kleine Gedächtnis-Ausstellung im Heimathaus statt. Unter dem Motto „Ufer des Lichts“ werden Bilder aus den wichtigsten Schaffensperioden Bauer-Lagallys gezeigt. gi