Rosenheim – Sich nach Philippe Gaubert (1879 bis 1941) zu benennen, ist für ein Flötentrio logisch und konsequent: Schließlich ist dieser Flötist, Komponist und Leiter der Pariser Opéra der Lehrer von Marcel Moyse gewesen, dem „Vater der modernen Flötenschule“, der wiederum viele heute bedeutende Flötisten unterrichtet hat.
Diesen Gaubert also haben sich Andreas Schmidt, (Flöte), Hendrik Blumenroth (Cello) und Olga Bolocan-Töppel (Klavier) als musikalischen Namenspatron erkoren. In ihrem Konzert im schütter besetzten Rosenheimer Künstlerhof spielten sie auch einen Gaubert, die „Pièce Romantique“.
Dieses „romantische Stück“, wie es ein bisschen untertreibend heißt, ist ein spätromantisch süffig-schwelgendes Stück, das Cello beginnt melodisch zu schwärmen, dann gesellt sich die Flöte dazu und es hebt ein unentwegtes Singen und Klingen an, manche Passagen klingen schon impressionistisch verschattet. Wohl passend für das „Mini-Orchester“, als das der Cellist Hendrik Blumenroth sein Trio benennt, weil es drei Instrumente verschiedenster Art vereint: ein Streich-, ein Blas- und ein Tasteninstrument.
Als wahrer Schatzgräber entpuppt sich dieses Mini-Orchester: Lauter weithin unbekannte Werke gab’s zu hören. Das Trio op. 45 der Komponistin Louise Farrenc (1804 bis 1875) beginnt mit einer entschlossenen Tutti-Fanfare und geht dann füllig rauschend weiter mit einem an Mendelssohn gemahnenden Überschwang, der zweite Satz ist sehr kantabel gehalten, der Finalsatz rhythmisch spritzig.
Und schon da konnte man das fein austarierte Zusammenspiel der drei Musiker konstatieren: Blumenroths sehr blutvoller Cello-Ton wandelte sich blitzschnell in grundierende Begleitung, wenn die Flöte zu singen anhob, die wiederum genau unterschied zwischen tragender Melodie und reiner Farbzugabe im Mischklang. Olga Töppel hatte zu kämpfen mit dem recht klirrigen Klang des Flügels, gab aber unermüdlich-entschlossen rhythmischen Drive zu allem.
Mit der spielerischen Rasanz, rauf- und runterschnurrenden Läufen und einem geradezu galoppierenden Schluss entpuppte sich das „Grand Trio“ op. 119 von Friedrich Kuhlau als publikumwirksamstes Stück, das sogar Zwischenapplaus einheimste – auch wenn es an melodischem Einfallsreichtum weit hinter Farrenc zurückblieb. Das hochvirtuose Schlussstück, die „Fantasia Concertante“ op. 256 von Carl Czerny (1791 bis 1857), glänzt und glitzert nur so von fantastischen Einfällen, die die Musiker mit großem Vergnügen auskosteten.