Rosenheim – Zur Abwechslung ist der Keller Steff mal wieder ganz alleine unterwegs, nur mit Gitarre und Mundharmonika und ohne seine Band oder die Big Band, mit der er sein neues Album „5 vor 12e“ erst vor einem Monat herausgebracht hat. Da fragt man sich, was auf einen zukommt. Nach ein paar Liedern ist aber klar: Es ist ein bisschen anders, aber genauso cool.
Stefan Keller ist gelernter Marionettenschnitzer und bodenständiger Überseer. So geht es in seinen Liedern schon immer ums Bulldogfahren, um Bauwagen oder Kalbsgeburten. Weil er charmant und direkt aus seinem Leben erzählt, muss man ihn einfach lieben.
Vier Abbrüche – das war dem Papa zu viel
Im Soloprogramm kann er differenzierter auf sein Publikum eingehen als auf einem Festival. Zwischen den Liedern erzählt er Geschichten aus seinem Leben, die mal mit den Texten zu tun haben, manchmal nicht – aber das ist egal, weil es immer witzig ist. Auf der Bühne im Gasthof Höhensteiger ist er an seinem Publikum so nah dran, dass er Angst hat, die Leute in der ersten Reihe anzuspucken, wenn er beim Singen „eskaliert“: Keller Steff pur also.
Viele laute Stimmungsmacherlieder hat er an diesem Abend dabei, es geht um die Wedahex oder um den Konflikt zwischen ihm und seinem Vater. Der war jahrelang sauer auf ihn, weil er nach drei Abbrüchen erst die vierte Lehre durchzog. Darum geht es in dem Lied, das inzwischen ein Klassiker im Repertoire des Künstlers ist. Eingefleischte Fans wissen schon, was kommt: Der Keller Steff löst seinen Zopf und rauft sich in einem authentisch gespielten Wutausbruch die Mähne, bis er sich, um Luft ringend, eine dicke Haarsträhne aus dem Rachen ziehen muss.
In den aktuelleren Liedern zeigt der Keller Steff, dass er auch ruhiger kann. „Rund“ handelt davon, dass er gerne Frauen mit wohlgeformten Körpern mag – eine klare Botschaft gegen „Bodyshaming“.
In „Marionette“ geht es darum, dass der Mensch sich viel zu viel von äußeren Dingen lenken und beeinflussen lässt. Aber er würde sich bestimmt nicht als nachdenklicher Liedermacher beschreiben lassen – er betrachtet seine Musik nämlich nicht als Kultur. Aber der Begriff stammt doch vom lateinischen Wort „cultura“ („Pflege“, „Ackerbau“) und bezeichnet alles, was der Mensch kreativ erschafft.
Kellers Übersee-Musik ist also gleich doppelt Kultur – und Kult ist sie in Oberbayern inzwischen sowieso.