Getanzte Geschichten

von Redaktion

Viel Applaus für „Shadows in motion“ von Jon Lehrer und seinem Ensemble

Rosenheim – Schattenspiele faszinieren die Menschen seit jeher. Der Tänzer und Choreograf Jon Lehrer machte jetzt im Kultur- und Kongresszentrum in Rosenheim mit seiner Tanzshow „Shadows in motion“ Station. Im Gegensatz zu anderen Schattentanz-Aufführungen dominieren weniger die Schatten, die Tänzer im Hintergrund werfen. Viel dreht sich um Vorführungen im Schattenbereich der Bühne.

Jon Lehrer liebt das erzählende Element in seinen Choreografien – mal mehr, mal weniger abstrakt. In sieben Tanzszenen mit Musik, jeweils ausgesuchte Kompositionen erfolgreicher Musiker, gleiten und schreiten Tänzer bei wallendem Kunstnebel vor und hinter großen weißen Stoffbahnen, die vor leuchtend blauem Hintergrund das Meer mit seinen Wellen visualisieren.

Mythen und Legenden liegen der Choreografie „Chukchi“ zugrunde, die Jon Lehrer schuf, nachdem er mit seiner Kompanie auf einer Russland-Tournee eine Vorstellung des staatlichen russischen Chuki-Eskimo-Song-und-Dance-Ensembles Ergyron besuchte, der dem Publikum die tschuktschische Kultur und Geschichte nahegebracht wurde.

In bemalten Ganzkörper-Trikots tanzt die Jon-Lehrer- Gruppe, die Füße mit ganzer Sohle aufgesetzt, teilweise stampfend im Rhythmus der Gesänge und Trommeln in Formation am Boden. Im zweiten Teil spannte sich ein großes dunkles Tuch über die Bühne. Witzig „rudern“ einzelne Tänzer nun in diesem verschatteten Meer, springen über und unter Wellen, bewegen sich im Lichtgewitter.

Die Szenen zu „Pulp“ verstehen sich als Hommage an die Körperkomik Buster Keatons, an Charly Chaplin und Harold Lloyd. Die Tänzer nehmen hier die Zuschauer in übertriebenen Bewegungen auf eine Reise in die Stummfilmwelt mit. Im „Pas de trois“ der Szene „Troika“ werden fließende Bewegungsabläufe in Stopps zerhackt, Tänzer verschwinden in Schatten und finden wieder in die Gruppe zurück.

„The way within“ lässt eine Tänzerin über ihren Schatten springen – und „Panteon rising“ ist eine temporeiche Choreografie, bei der sich die Kompanie in burgunderroten Kostümen zu futuristischem Lichtdesign zum Finale bewegt. Leider stand im Vordergrund, in der Bühnenmitte, während der ganzen Show ein schwarzer Kasten für die Musik, der immer wieder die Sicht auf die Beine der Tänzer verwehrte. Dennoch: Das Publikum spendete „Shadows in motion“ am Ende den verdienten, lang anhaltenden Applaus.

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