30 Jahre Jugendorchester „Die Arche“

Musikalischer Schrei nach Menschlichkeit

von Redaktion

Ein Passionskonzert voller Konzentration und Hingabe in der alt-katholischen Kirche Rosenheim

Rosenheim – Das Jugendorchester „Die Arche“ hat sich unter Leitung von Rainer Heilmann-Mirow seit seiner Gründung vor über 30 Jahren mit seinen alljährlichen Konzerten im Kulturleben der Stadt Rosenheim einen festen Platz geschaffen – und dass es diesen Platz auch verdient, zeigte sich in einer musikalische Andacht mit Haydns Werk „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“ in der alt-katholischen Kirche.

Joseph Haydn bekam 1785/86 den Auftrag der Domherren aus Cádiz in Spanien, eine rein sinfonische Musik zur Untermalung der Sieben Worte Christi am Kreuz zu komponieren, „unterbrochen“ von meditativ-theologischen Worten. Auch in Rosenheim folgte das Konzert dieser Vorgabe und abwechselnd legten Dekanin Hanna Wirth von der evangelischen Kirche Rosenheim, Pfarrer Dr. Andre Golob von der alt-katholischen Gemeinde Rosenheim und der katholische Pfarrer Sebastian Heindl die sieben letzten Worte Jesu am Kreuze aus.

Die Einleitung „Maestoso ed adagio in d-Moll“ mit seinem punktiertem Rhythmus gelang dem Jugendorchester prächtig, gefolgt vom Largo in b-Moll: „Pater, dimitte illis, non enim sciunt, quid faciunt (Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun)“. Die erste Geige war wie in den nachfolgenden Sonaten nicht nur Stimm-, sondern auch Wortführerin. Lateinisch deklamierte Ausrufe und Gebete ohne Worte – eindrücklicher kann man die Leidensgeschichte musikalisch nicht darstellen. Das Grave „Mulier, ecce filius tuus, et tu, ecce mater tua! Frau, siehe hier: dein Sohn; und Du siehe hier: deine Mutter“ in E-Dur soll nach dem vielen Moll trösten. Und es gelingt, die Querflöte (großartig hier Florian Öttl) wirkte da wie eine über dem Tod und der Trauer schwebende tröstende Hand.

Der Schrei „Deus meus, utqid relinquisti? (Mein Gott, warum hast du mich verlassen?)“, durch das Orchester „wortgetreu“ herausgearbeitet, wurde noch mit dem „Sitio (Mich dürstet)“ gesteigert. Da bot das Orchester seine ganze Farbkraft auf, fortissimo, Pizzicato-Achtel und dann piano, großes Gefühlskino, dass mit dem Lento „Consummatum est! (Es ist vollbracht)“ endet.

Meditativ dann das „Pater! In manus tuas commendo spiritum meum (Vater! In deine Hände lege ich meinen Geist)“, Geigen und Hörner sind hier im Dialog, der schließlich verhallt. Das Terremoto (Erdbeben) – Presto e con tutta la forza c-Moll – gestaltete das Orchester wuchtig, kraftvoll und hochkonzentriert. Ein spannendes Werk, das den Zuhörer herausfordert, aber auch in seiner Prägnanz dem Orchester viel abverlangt. Da verzieh man so manch unsauberen Ton bei den Streichern, gelang es dem Jugendorchester doch, Schmerz und Leiden einerseits, Trost und Heilsgewissheit andererseits in helldunklen Dur-Moll-Wechsel gekonnt musikalisch darzustellen.

Dem Dirigenten Rainer Heilmann-Mirow gebührt hier höchste Anerkennung, führte er doch das Orchester, das überwiegend aus jugendlichen Instrumentalisten besteht, nicht nur an das Werk heran, sondern leitete es auch einfühlsam und souverän. Passion mit Pathos – wer wollte da nicht mitschreien bei dem von Pfarrrer Heindl formulierten „Schrei nach Menschlichkeit.“

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