Neubeuern – Der Schlusssatz der Cello-Sonate von Edvard Grieg hat kolossale 828 Takte, beginnt sehnsüchtig singend, wandelt sich dann in einen Halling, einen norwegischen Springtanz und endet in grandioser Emphase. Der Cellist Maximilan Hornung und sein Klavierpartner Paul Rivinius machten daraus eine fast schon orchestral donnernde Riesenmusik mit raumfüllender, ja fast raumsprengender Wirkung und ernteten damit heftigen und lang anhaltenden Beifall im vollgefüllten Salon des Neubeurer Schlosses.
Trotz dieser orchestralen Fülle blieb Hornung dabei immer tänzerisch leicht, sein Ton sucht immer das Singen, das lyrische Strömen, seine Pizzicati sind eine Ohrenweide und seine Filigrankunst ist einfach stupend.
Bewundert hatte man das schon in den beiden ersten Sonaten, der Cello-Sonate A-Dur op. 69 von Beethoven und der e-Moll-Sonate op. 38 von Brahms, der ja immer hörbar Bezug auf Beethoven nimmt. Für den Beethoven hatte Hornung die eruptive Energie, die selig strömende Kantabilität, die elektrisierende Intensität und auch den explosiven Drang für Beethovens widerborstige Rhythmik, die diese Sonate so lustvoll hörenswert macht. Und auch lustvoll zelebrierten die beiden Solisten das Hinausschieben des erwartbaren Schlusses am Ende der Sonate.
Bewundert hatte man auch das atmende und fast symbiotische Zusammenspiel der Beiden. Immer wieder lauschte der Cellist nach hinten und schien körperlich zu spüren, was der Pianist vorhatte. Geradezu lauernd umspielten sie sich und ließen hören, wie die musikalischen Entwicklungen mal vom Cello, mal vom Klavier ausgingen. Und gerade Maximilian Hornung machte aus jeder kleinen Wendung eine musikalische Kostbarkeit.
Noch intensiver wurde dann die Brahms-Sonate. Mit zehrender Spannung intonierte Hornung das weitgesponnene Anfangsthema, sodass man schon ahnte, wie reichhaltig die Entwicklung und Entfaltung dieses Thema sein würde. Noch schmerzlich-inniger und klangrauschender wurde Hornungs Cello, während der den Schönheiten des tiefen Registers, das im ersten Satz fast ausschließlich herrscht, nachlauschte, tropfte das Klavier satte und genau geformte Akkorde dazu, dann gab’s ein gemeinsames Schwellen und Schwelgen. Das Trio des tonlich viel helleren zweiten Satzes wirkte wie strömende Tränenbäche, die alle möglichen Erstarrungen lösen könnten, das Fugato, mit dem das Finale beginnt, kam vom Klavier hart gemeißelt wie mit Beethoven’schem Ingrimm: Es war alles einfach großartig.
Für den Beifall bedankten sich beide Musiker mit der Romanze aus Griegs dritter Violinsonate, umgeschrieben für Cello, die ganz versonnen dies herausragende Kammerkonzert beendete.