Kolbermoor – Völlig zurecht trug das Eröffnungskonzert des Maxlrainer Kultursommers in der Pfarrkirche Wiederkunft Christiden Titel „Barockzauber“. An den Beginn hatte Dekanatsmusikpfleger Gerhard Franke, der die Orgel in der Pfarrkirche gewohnt meisterhaft bespielte, den 1 Satz aus dem Concerto a-Moll von Antonio Vivaldi gesetzt. Wie ein sich lichtender Vorhang erhoben sich die Klänge dieses Werkes, das Johann Sebastian Bach für die Orgel bearbeitet hatte, für das nun folgende Programm.
Mit „Sound the Trumpet“ von Henry Purcell begrüßten die beiden Solisten Dagmar Gareis (Sopran) und Marinus Wagner (Trompete) das Publikum, wobei sich die Sopranstimme gegen die dominierende Trompete zu behaupten wusste. Etwas besser zur Geltung kam der Gesangspart im Werk „Lobet den Herrn, ihr seine Engel“ des Komponisten Tobias Volckmar. Dagmar Gareis zeigte ihr ganzes Können in dieser komplizierten Arie und meisterte insbesondere die Läufe mit Bravour. Der erste, gemeinsame Teil des Konzertes endete schließlich mit einem „Wettstreit der Stimmen“: In drei Arien „con tromba solo“ des Italieners Alessandro Scarlatti maßen sich Sopran und Trompete auf höchstem Niveau und suchten sich, besonders in der ersten Arie „In terra la guerra“, förmlich zu übertrumpfen. Langsamer, aber nicht weniger kunstvoll sorgte der Mittelteil „Rompe sprezza“ für eine kurzzeitige Beruhigung, ehe das „Si riscaldi“ den Solisten einen noch schnelleren Wechsel untereinander und komplexere Figuren abverlangte.
Mit dem dritten Satz aus dem Concerto in G-Dur des Komponisten und Herzogs Johann Ernst von Sachsen-Weimar erfreute Gerhard Franke an der „Königin der Instrumente“ mit Musik, die leichtfüßig dahineilte und mit einem abwärts führenden Schlusslauf in einem überraschenden Ende mündete. Das folgende „Ave Maria“, das dem Florentiner Giulio Caccini zugeschrieben wird, entwickelte sich trotz der Schlichtheit von Wort und Melodie zu einem vokalen Höhepunkt, als sich die in beinahe durchgängigem piano gehaltene Stimme der Sängerin, getragen von der begleitenden Orgel, in jedem Winkel der Kirche ihren Klang entwickelte. Die Antworten der Trompete sorgten für eine interessante Abwandlung des bekannten Stücks.
Eine Sternstunde von Marinus Wagner bildete das Adagio aus der Triosonate in g-Moll von Tomaso Albinoni. In tiefer Stimmlage, mit weichem Klang beginnend transportierte Wagner den Stimmungswechsel hin zu einem martialischen Mittelteil, einem mächtigen Orgelsolo folgte ein Rückgriff auf den Anfang und ein erneutes Aufbäumen der Trompete, ehe der Satz ruhig und melancholisch verklang.
Dagmar Gareis interpretierte mit der Arie „Lascia ch`io pianga“ aus der Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel eine der ergreifendsten Melodien des Barock. Das folgende Allegro, der dritte Satz aus dem zu Beginn bereits erklungenen Concerto von Vivaldi, ließ noch einmal die Klangfarben der prachtvollen Orgel zur Geltung kommen.
Der Schlusspunkt des Konzertes bestand aus drei Sätzen des „Gloria“ von Georg Friedrich Händel. Sopran und Trompete stimmten auf dem Fundament der Orgel im „Laudamus te“ zunächst einen wahren Lobgesang an, ehe das „Domine Deus“ dann alleine der getragenen Stimme der Sängerin anvertraut blieb. Im feierlichen Schlusssatz „Quoniam tu solus Sanctus“ schienen sich die Solisten beinahe zu überbieten und meisterten perfekt die schwierige Melodieführung. Mit dem einzigen „echten“ Bach, dem Choral „Jesu bleibet meine Freude“ als Zugabe endete das Konzert in barocker Ausgelassenheit.