Riedering – Erst einmal fragt man sich, wie es den Riederinger Spuileit gelungen ist, zwei Schauspieler des renommierten Thalia Theaters Hamburg für das Zwei-Personen-Stück „Wenn die Rolle singt“ zu einer Aufführung im „Alten Wirt“ in Riedering zu bekommen. Sepp Staber von den Riederinger Spuileit erklärte vor dem Spiel, dass sie dazu von Freunden animiert wurden. Diese hatten das Stück vergangenes Jahr im Münchner Volkstheater bei der Reihe „Radikal jung“ erlebt. Die Spuileit fragten an und wahrhaftig sagten die beiden Künstler zu, eigens für die Aufführung von Hamburg nach Riedering anzureisen.
So kamen nun die Besucher im vollbesetzten Theatersaal das „Alten Wirts“ in den wahrhaft köstlichen Hochgenuss eines Abends voll herrlicher Komik. Thomas Niehaus und Paul Schröder in den Rollen des Präsidenten und seines Kassenwarts eines Anglervereins, kurz „Präsi“ und „KaWa“ genannt, die das Stück auch geschrieben haben, nahmen die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen eines Anglerdaseins. Beim Vorspiel verwirrten sie erst einmal durch ein verbales Duellieren zwischen einem Jäger und einem Angler, gekleidet in mittelalterliche Kostüme, um dann die Bühne zu entern und sich in ihrem Vereinsheim „ Heil-Butt“ ganz dem Thema des Angelns mit vielen skurrilen Abweichungen zu widmen. Der „Präsi“ verlas aus dem Buch „Der vollkommene Angler“, Angeln sei ein Sport der Verführung: Es ginge um Duftstoffe und das Fabrizieren eines Köders, was eine Lachnummer für sich war und gleich Szenenapplaus bekam. Zum Spiel am Synthesizer des „Präsi“ sang „KaWa“ mit feiner hoher Stimme, bis die Musik gar schauerlich zu verstimmtem Dur wechselte und „KaWa“ entsetzt verstummte. Allein die Mimik der zwei Angler war mehr als beredt.
Trotz enormer Sprachgeschwindigkeit artikulierten beide genauestens – Profis eben! Am Bühnenrand wurde das Präparieren der Angel zur pantomimischen Vorführung. Per Laserpointer erklärte „Präsi“ an den Bildtafeln die einzelnen Fischarten, dozierte über den Hecht und besonders die Makrele, die keine Schwimmblase besitzt und daher in ständiger nerviger Bewegung sein muss, was der „Präsi“ herrlich parodierte. In ihrem Aquarium hielten sie Werner, einen Fisch der Art der „Zwergschlammspringer“, der freilich unsichtbar war. Allein schon bis es zum Lied „die Forelle“ kam, waren die schwadronierenden Abschweifungen bizarr und köstlich. Wann hat man schon die Gelegenheit, „die Forelle“ auch auf Finnisch, Chinesisch, Nordkoreanisch und schließlich rückwärts serviert zu bekommen?
Nach der Pause mussten die beiden Vollblutkomödianten noch Reklame für den Vereinsförderer, eine Käserei, machen, und der Klamauk wurde riesengroß, als später „KaWa“ im Garnelenkostüm an der riesigen Angel hing. Dafür sinnierte der „Präsi“ anschließend philosophierend, dass die schönsten Fische die gewesen seien, die er nie gefangen hatte. Die zwei führten valentinesk das Nachtangeln vor, blödelten vergnügt auf dem Niveau der Extraklasse und gaben in einer hinreißenden Lachnummer das Ableben von Werner, der aus dem Aquarium sprang, zum Besten.
Mit Jubel und Beifallstürmen feierten die Zuschauer zum Schluss Thomas Niehaus und Paul Schröder und dankten Regisseurin Johanna Witt sowie der Bühnenausstatterin Marion Schindler. Die beiden Schauspieler mussten sich noch unzählige Male auf der Bühne zeigen, wo sie ihre Vereinshymne „Petri Heil“ zum Besten gaben. Das Publikum hatte fürwahr einen herzerfrischenden Theaterabend mit überbordender Komik erleben dürfen.