14. Theatertage Wasserburg

Berührend, bewegend, beunruhigend

von Redaktion

Die bayerischen Privattheater treffen sich derzeit wieder im Theater Wasserburg. Neben dem beruflichen Erfahrungsaustausch stehen für das Publikum zehn Gastspiele und eine Eigenproduktion auf dem Programm. Von Anfang an mit dabei war Burgschauspieler Udo Samel, diesmal mit Balladen und Legenden von Bertolt Brecht.

Wasserburg – Bereits im 14. Jahr finden die Theatertage statt. Theaterbegeisterte können in den nächsten zwei Wochen anspruchsvolle Inszenierungen aus ganz Bayern in Wasserburg genießen. Für die Privattheater selbst ist das Treffen ein wichtiger Bestandteil ihrer Vernetzung geworden. „14 Jahre in einer Stadt, grandios, das hat noch keiner hinbekommen und ist auch nur mit Ihrer Unterstützung möglich“, dankte Theaterleiter Uwe Bertram dem Publikum, den Vertretern der Stadt und allen Förderern und Unterstützern.

Den Dank an den Landkreis Rosenheim nahm die stellvertretende Landrätin Andrea Rosner entgegen. Sie erinnerte in ihrem Grußwort an einen BR-Fernsehbericht über das Theater Wasserburg, dessen Autor Michael Bauer zu folgendem Schluss kam: „Wenn das Provinztheater ist, dann wollen wir für unsere Großstädte mehr, viel mehr Provinz.“

Anerkennung und Begeisterung fand auch der Eröffnungsbeitrag „Wechsel der Dinge“ von Schauspieler und Regisseur Udo Samel. Lieder, Balladen und Legenden von Bertolt Brecht standen dabei im Mittelpunkt. Samel überzeugte diesmal nicht nur als genialer Rezitator. Er zeigte, dass er auch singen kann. Der Grimme-Preisträger hatte deshalb Daniel Fueter als Pianisten mitgebracht. Fueter stammt aus Zürich und hat in seiner Heimatstadt Klavier studiert. Dort war er dann viele Jahre am Department Musik der Hochschule tätig. Neben seiner Dozententätigkeit hat sich Fueter als Autor von Bühnenmusiken fürs Theater, von Chansons, Liedern und Chorwerken einen Namen gemacht.

Stilecht mit Schiebermütze und brennender Zigarre kam Samel auf die dunkle, beinahe nackte Bühne, ein Auftritt, wie ihn Brecht wohl auch selbst gewählt hätte. „Ich, Bertolt Brecht, bin aus den schwarzen Wäldern gekommen und in die Asphaltstädte verschlagen worden“, stellte sich Samel mit dem Text „Vom armen B.B.“ vor. Brecht selbst, gebürtiger Augsburger hatte sich übrigens nie als Bayer empfunden. Zeit seines Lebens beharrte er darauf, nach der Herkunft seiner Eltern ein Schwarzwälder zu sein.

Und dann gab es eine ganze Menge Brecht: Berührendes, Bewegendes, Beunruhigendes in Form von Gedichten, Liedern und Geschichten. Es folgten der „Bericht eines Schiffbrüchigen“ und die „Ballade vom Wasserrad“, in der die kleinen Leute von den hohen Herren der Welt drangsaliert werden, obwohl sie diese ernähren. Den eigenen Weg ins Exil thematisierte Brecht mit der „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration“. So sperrig der Titel aus heutiger Sicht klingen mag, der Inhalt des Gedichtes ist doch zeitlos und aktuell, wie Udo Samels Vortrag zeigte.

Unter dem Eindruck der tatsächlichen Ereignisse eines Elternmordes schrieb Brecht als 30-Jähriger die Ballade „Apfelböck oder die Lilie auf dem Felde“. Samel präsentierte die bizarre Mordgeschichte unterhaltsam, ohne dabei die Tragik der Tat außer Acht zu lassen. Überhaupt traf Samel stets den richtigen Ton, mal ergreifend und ernst wie in Brechts berühmter Ballade vom „Kinderkreuzzug“, dann aber wieder humorvoll passend zu Brechts skurrilen, dadaistischen Kurzgedichten.

Daniel Fueter spielte dazu eigene Kompositionen am Klavier und die Musik von Brechts Weggefährten Hanns Eisler, Kurt Weill und Paul Dessau. Was folgte, war ein schier nicht endender Schlussapplaus. Brecht, dem man zu Lebzeiten einen gewissen Hang zur Eitelkeit nachsagte, wäre jedenfalls hoch erfreut gewesen.

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