Indianer-Roman jenseits aller Klischees

von Redaktion

Kerstin Groepers „Donnergrollen im Land der grünen Wasser“

Rosenheim – Mit „Donnergrollen im Land der grünen Wasser“ liefert Kerstin Groeper erneut einen gelungenen historischen Roman. Spannend und authentisch gibt er Einblick in die bewegte Geschichte der nordamerikanischen Indianerstämme.

Kerstin Groeper wurde 1961 als Tochter des Schriftsteller Klaus Gröper in Berlin geboren und lebte einige Zeit in Kanada. Die Werke von Karl May haben bei ihr bereits in früher Kindheit das Interesse an den indigenen Völker Amerikas geweckt. Um deren Kultur tatsächlich verstehen zu können, lernte sie schließlich sogar Lakota, einen Dialekt der Sioux-Sprache. Seit vielen Jahren lebt und arbeitet die Autorin und Journalistin in Hohenthann. 2011 verfasste sie eine Reportage-Reihe zum Thema „Indianerstämme“ für die OVB-Heimatzeitungen.

Dank Karl May fanden sich Romane über Indianer und Cowboys über Jahrzehnte hinweg in fast jedem Kinder- und Jugendzimmer. Diese Zeit will Kerstin Groeper zurückholen, aber zeitgemäß und jenseits aller gängigen Klischees. Darum hat auch ihr aktuelles Werk mit Wildwestromantik überhaupt nichts zu tun.

Schonungslos offen und stellenweise sehr brutal schildert die Autorin, wie das Leben zwischen 1540 und 1570 in Nordamerika tatsächlich ausgesehen hat. Inspirieren ließ sie sich dafür von einem Anthropologen. Dieser nahm sie im Jahr 2014 zu einer Ausgrabungsstätte mit und erzählte ihr, dass die Bevölkerung Nordamerikas in dieser Zeit um rund 90 Prozent zurückgegangen ist. „Als ich dies erfuhr, war ich zutiefst schockiert. Millionen Menschen müssen gestorben sein. Wie viel Wissen, Zeremonien, Sprachen, Kulturen sind hier verschwunden?“, schreibt sie in ihrem Nachwort.

Kerstin Groeper suchte nach den Ursachen und wurde bei ihren Recherchen fündig: Die Spanier hinterließen auf ihrer Suche nach Reichtümer eine Spur der Vernichtung. Ganze Dörfer wurden zerstört. Nebenbei kamen mit den Fremden auch noch die Seuchen ins Land.

Die bisher erschienenen Bücher von Groeper handelten von den Sioux, Blackfeet und Cheyenne. In ihren neuen Roman stehen nun zwei neue Stämme im Mittelpunkt: Die Choctaw und Menominee. Die Rahmenhandlung bildet der Entdeckungszug des Spaniers Hernando de Soto, zwischen 1538 und 1542.

Zu Beginn der Geschichte gibt es zwei Handlungsstränge. Auf der einen Seite ist da Maisblüte. Das junge Mädchen wird von den Spaniern gefangen genommen, missbraucht und als Sklavin gehalten. Auf der anderen Seite brechen einige Krieger der Menominee auf zu einer gefährlichen Wanderung.

Die Autorin führt diese beiden Handlungsstränge von Kapitel zu Kapitel geschickt immer enger zusammen.

Das 670 Seiten starke Werk ist von Anfang bis Ende spannend und unterhaltsam. Leser erwartet eine fantasievolle Geschichte, die nebenbei auch noch viel geschichtliches Wissen liefert.

Kerstin Groeper „Donnergrollen im Land der grünen Wasser“, Verlag Traumfänger, ISBN 978-3-941485-55-6, 16,90 Euro.

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