Bruckmühl – Einen Glücksgriff hatte der Kulturförderverein Mangfalltal mit der Einladung des Jazz-Duos Chris Gall (Piano) und Bernhard Schimpelsberger (Percussion) im Rahmen des Maxlrainer Kultursommers im Schloss Maxhofen getan, war es doch das einzige Konzert in diesem Jahr im südbayerischen Raum. Alle Kompositionen des vor eineinhalb Jahren in einem Tonstudio aufgenommenen Konzerts, das nur auf Vinyl erhältlich ist, kamen zur Aufführung, aber auch Eigenkompositionen der beiden Musiker.
Der Einstieg mit dem Stück „Mian“ war so auf die extrem leisen Töne der Kalimba von Bernhard Schimpelsberger fokussiert, dass man Chris Galls Piano erst nach einigen Takten als zweites Instrument erkennen konnte, aber schon bald waren beide in einem Konzertmodus, der über Blickkontakt und kleine Gesten funktionierte.
Ein Elsterpärchen vor seinem Fenster hat Chris Gall zu „Good Morning, Little Magpie“ inspiriert, einem Kinderreim, mit dem man in England die Glück bringende Elster begrüßt. Mit dem Klang südamerikanischer Rasseln glaubte man, das Flattern der Flügel zu hören. Das mit seinem Trio aufgenommene Stück „Cosmic Playground“ von Chris Gall entfaltete mit Schimpelsbergers Klangfärbungen eine ganz neue, eigene Dynamik.
In der Neukomposition „The Wheel“ war dann erstmals die von Schimpelsberger in Indien erlernte Rhythmussprache Konnakol zu hören, in der jede Silbe in Verbindung mit dem jeweiligen Takt eine eigene Bedeutung hat und mit der man auch Kompositionen notieren kann, was mit dem Notensystem der westlichen Musik nicht möglich ist. Schimpelsberger gelang mühelos die Symbiose der beiden Musikrichtungen in seinem Schlagwerk und Chris Galls Spiel auf dem Flügel brachte genau die richtige Verschmelzung mit dem modernen westlichen Jazz.
Die Pause wurde durch „Inner Perspectives“ und „Ballad for A&M“, zwei weiteren Aufnahmen aus dem Studio-Konzert, eingerahmt, bevor Schimpelsberger die Geschichte und Elemente seines Schlagwerks näher erläuterte. Afrikanische Ududrums und japanische Glocken, eine Sundrum mit veränderbaren Stimmzungen, indische Cajons bis hin zu einer Rassel aus dem Spielwarengeschäft haben sich über viele Reisen zu einem riesigen Fundus angesammelt, aus dem er für die Tourneen eine transportable Auswahl zusammenstellt. Für sein Percussion-Solo wählte er eine Sequenz, in der er verschiedene Fahrstile auf europäischen Autobahnen mit der Lautsprache Konnakol verbindet und interpretiert. Von der Raserei auf den Schnellstraßen, dem Tempounterschied auf verschiedenen Spuren bis hin zum Stau entstand vor dem inneren Auge der Zuhörer ein Abbild unseres hektischen Straßenverkehrs.
Den Abschluss bildete „Myriad (Rhythm Suite)“. Einzelne rhythmische Sequenzen in Konnakol fanden sich beispielsweise in den mit den Besen gespielten Schlägen auf dem Snaredrum wieder. Chris Gall baute in das rhythmische Gerüst seine variantenreichen und kunstvollen Melodiefolgen ein.
Mit der delikaten, wunderschönen Zugabe „York’s Guitar“ aus der Feder von Chris Gall wurden die begeisterten Zuhörer zum Weiterträumen auf den mondbeschienenen Heimweg geschickt.