Wasserburg – Die „Moreth Company“ aus Landsberg gastierte bei den Theatertagen mit zwei dramatisierten Erzählungen von Arthur Schnitzler, die beide als innere Monologe gehalten sind: „Leutnant Gustl“ und „Fräulein Else“. Beide Protagonisten spielen dabei mit dem Gedanken, ob sie sich umbringen sollen oder nicht: Leutnant Gustl, weil er sich mit dem Bäckermeister, der ihn beleidigt hat, nicht duellieren kann, denn der ist „nicht satisfaktionsfähig“; Else aus Scham, weil sie, um ihrem Vater ein notwendiges Darlehen zu verschaffen, sich einem älteren Lebemann nackt zeigen soll. Gustl wird gerettet, weil der Bäckermeister plötzlich stirbt, bei Else bleibt offen, ob sie stirbt oder gerettet wird.
Konstantin Moreth und Hannah Moreth haben auf der Bühne beide Erzählungen miteinander verquickt. Das schuf anfangs Verständnisschwierigkeiten, brachte im Verlauf des Abends aber doch die Gemeinsamkeiten ans Licht, sogar in gemeinsam gebrauchten Worten und Wendungen, die beide Schauspieler auch gemeinsam sprachen.
In der Mitte der Bühne thronte eine Parkbank, rechts stand ein kleines niedriges Tischchen, im Hintergrund zwei große Puppen mit Mänteln. Mehr brauchten die Schauspieler nicht, alles andere spielte sich im Kopf der beiden ab und ließ Bilder im Kopf der Zuhörer entstehen.
Der Tod spielt die Hauptrolle, beide spielen mit dem Gedanken an den Tod, spielen die möglichen Todesschauspiele durch: „Der Tod ist kein Kinderspiel“, sagt Gustl. „Wenn ihr wüsstet, wie gut der Tod schmeckt“, sagt Else, als sie das aufgelöste Veronal trinkt. Beide spielen das Lied vom Tod, der – jedenfalls nach Georg Kreisler – ein Wiener sein muss.
Beide Schauspieler, eben Konstantin und Hannah Moreth, sprechen ziemlich schnell, beinahe hastig, lassen die Gedanken sich überstürzen – nicht dem österreichischen Idiom entsprechend, das eine langsam-lauernde und scheinbar gemütlich plaudernde Sprechweise fordert. Bei Konstantin Moreth wirkt dies aber authentischer, weil Gustl insgesamt eine viel banalere Figur ist.
Hannah Moreth hat ein feines Gesicht, in dem sich aber zumindest anfangs wenig von den Seelenverwirrungen widerspiegelt, von denen sie erzählt. Auch müsste das Spiel mit der Todeserotik, der Entblößungslust und der Jungmädchenhysterie sich in einer Variation von Stimmfärbungen wiederfinden. Das wird erst gegen Schluss hin besser, als sie sich den langen schwarzen Mantel umwirft, den sie dann öffnet, um sich ganz nackt zu zeigen – was auf der Bühne nicht stattfindet.
Da wurde die Spannung, die durch Lichtwechsel befördert wurde, auch intensiver, nachdem sie zwischendurch nachgelassen hatte. Eine Kürzung hätte da noch gut getan. Das nicht sehr zahlreiche Publikum applaudierte beeindruckt, nicht zuletzt von der zu bewältigenden Textmasse.