Wasserburger Theatertage

Eine Komödie ohne Happy End

von Redaktion

Teamtheater München zeigte „Paarungen“ des französischen Autors Eric Assous im Theater Wasserburg

Wasserburg – Viel Beifall bekam das Teamtheater München für die bittersüße Komödie „Paarungen“ im Theater Wasserburg. Regie und Schauspiel überzeugten in einer temporeichen, spritzigen Inszenierung, die für das Publikum jede Menge Überraschungen bereithielt.

„Paarungen“ stammt vom französischen Erfolgsautor Eric Assous. Der gebürtige Tunesier kam Mitte der 1970er-Jahre zum Kunststudium nach Paris. Bald aber verlegte er sich aufs Schreiben. Zunächst waren es Krimis und Hörspiele. Dann entdeckte Assous das Theater. Mittlerweile hat er 22 Bühnenstücke verfasst und schon zweimal den „Prix Molière“, den wichtigsten französischen Theaterpreis, gewonnen. Sein Gesamtwerk wurde 2014 mit dem Großen Preis der Académie Française gewürdigt.

Delphine und Xavier sind seit 20 Jahren verheiratet. Genauso lange ist das Paar mit Bob und dessen Frau befreundet, in deren Ehe es seit Jahren kriselt. Eine Scheidung aber kommt aus finanziellen Gründen nicht in Betracht. Doch dann wird plötzlich alles anders. Ein Lottogewinn macht Bob zum reichen Mann. Mit viel Geld kann er sich die Einwilligung seiner Frau erkaufen und endlich scheiden lassen. Und eine deutlich jüngere Freundin ist auch schon gefunden. Bob und seine neue Flamme Garance haben sich bei Xavier zum Abendessen angesagt.

Delphine ist fassungslos. Bob hat seine Frau einfach abserviert und bringt jetzt auch noch die Geliebte mit. Während sich Delphine mit Xavier über diese Charakterlosigkeit streiten, stehen die frisch Verliebten bereits vor der Tür.

Mit „Paarungen“ nahm ein Abend voll pikanter Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kamen, seinen Lauf. Philipp Jescheck, seit 2017 Hausregisseur am Teamtheater, inszenierte die beschwingte, zeitgenössische Boulevardkomödie feinsinnig und fernab jeglicher Klamotte. Statt ödem Klamauk gab es unterhaltsame Sprachkultur mit viel Herz und Verstand. Für das Verständnis der komplexen Beziehungen der beiden Paare untereinander sorgten spannungsreiche Rückblenden mit Videosequenzen auf großen Stoffbahnen. Der Übergang vom Bild in die reale Bühnenhandlung war fließend. Bobs Ex-Ehefrau blieb zwar außen vor. Dafür hatten die vier Darsteller umso mehr zu tun und ständige Bühnenpräsenz war gefragt. Und die gelang hervorragend mit beeindruckendem Sprachwitz und Lebensechtheit der Figuren.

Xavier wurde dargestellt von Florian Fisch. Je mehr Xavier als vermeintlich integrer Ehemann bei seiner Frau um Verständnis für Bobs neue Liaison warb, umso mehr redete er sich um Kopf und Kragen. Als Bobs Vorgänger bei Garance hatte er schließlich allen Grund dazu. Daniela Voß spielte Delphine. Eheliche Treue für das ganze Leben hieß ihre Maxime. Doch wie im wirklichen Leben sind es meistens die Moralapostel, die besonders oft unter Erinnerungslücken leiden. Auch sie konnte einem „punktuellen Verhältnis“ mit Bob schließlich nicht widerstehen, zumal ein gut zweistelliges Millionenvermögen den ehemaligen Küchenverkäufer unwiderstehlich machte. Bob wurde gespielt von Uwe Kosubek. Bleibt noch Garance, die sich nicht wirklich für einen der beiden Männer entscheiden konnte. Pia Kolb komplettierte als Ex-Geliebte von Xavier und neue Flamme von Bob den munteren Reigen.

Am Ende blieb schließlich die Erkenntnis, dass eine großartige Komödie auch ohne Happy End auskommt. Stattdessen war ihr Finale umso realitätsbezogener. Denn wie so oft im wirklichen Leben gingen die Ehen und Freundschaften allesamt zu Bruch.

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