Wasserburg – Man sollte sich zuerst kennenlernen und dann miteinander schlafen. Wenn diese Reihenfolge umgekehrt wird, gibt es Schwierigkeiten – und Stoff für ein Theaterstück. Dramatiker deutscher Zunge würden daraus eine philosophisch tiefsinnige Tragödie machen, außer sie heißen Arthur Schnitzler oder Curt Goetz. Französische Dramatiker machen daraus ein elegant-leichtfüßiges Konversationsstück, wie es Eric Assous mit dem Titel „Glück“ getan hat. Damit gastierten bei den Wasserburger Theatertagen in einer Koproduktion das Münchener „Theater …und so fort“ und „Reizwerk München“.
Der Morgen danach, nämlich nach einer gemeinsam verbrachten ersten Nacht, ist immer eine etwas peinliche Sache. Louise hat Angst, dass Alexandre sie gleich wieder verlässt, und sperrt ihn deswegen kurzerhand ein. Daraus entwickelt sich ein temporeicher verbaler Schlagabtausch und dann weiterhin eine nicht ganz unkomplizierte Beziehung: Sie war schon einmal glücklos verheiratet, er ist gerade in Scheidung begriffen. Sie ist eine Intellektuelle, er ein nicht lesender Restaurant-Besitzer. Lässt Liebe sich erzwingen?
Die Regisseurin Ulrike Dostal hat für flottes Boulevard-Tempo gesorgt, so dass diese Komödie mit Tiefgang reibungslos wie geschmiert abläuft. Man fühlt sich gut unterhalten und doch auch angeregt. Bei allem richtigen Tempo artikulieren Petra Winterstaller und Heiko Dietz genau und lassen die sprachlichen Pointen zeitgenau zünden. Nur hätten sie nicht immer und ständig Salzstangen knabbern müssen, das ist doch wohl ein bisschen unpariserisch. Doch das allmähliche Paar-Werden spielten sie agil und temperamentvoll durch und die überraschenden Wendungen genussvoll aus.
„Die Ehe ist eine Wette…“
„Die Ehe ist eine Wette, die man nur selten gewinnt“, konstatiert Louise am Ende: eine der zahlreichen hineingestreuten Aperçus. Für ihr temperamentvoll-genaues Spiel heimsten die beiden Schauspieler herzlichen Beifall des nicht zahlreichen Publikums ein. Sollten die nunmehr vierzehnten Wasserburger Theatertage an Zuspruch verlieren? Das wäre wirklich schade.