Neues aus Tittenkofen

Ein „Wahnsinns“-Abend

von Redaktion

Monika Gruber begeistert im ausverkauften Kuko

Rosenheim – Humor ist wirksamer als jeder erhobene Zeigefinger. Diesen Beweis führte Kabarettistin Monika Gruber mit ihrem Programm „Wahnsinn“ im ausverkauften Kuko. Die Besucher verließen nach der humorvollen Standpauke über die verrückten Zustände in der heutigen Gesellschaft beschwingt den Saal – mit dem Willen, sich von den Widrigkeiten des Lebens so schnell nicht unterkriegen zu lassen.

Nach einer sympathischen Begrüßung durch Roland Hefter, der mit einer Portion Selbstironie und freundlichem Augenzwinkern darüber philosophierte, dass es immer noch schlimmer geht, zündete Monika Gruber ein Feuerwerk der bayerischen Bissigkeit, manchmal etwas derb, niemals dumm, immer mit dem nötigen Respekt vor den Mitmenschen.

Mit unglaublichem Witz las sie Gesundheitsaposteln, Helikoptereltern, hysterischen Toleranzfetischisten, Technikopportunisten, Kopfhörer tragenden Teilzeitautisten, Ewigbesorgten, Möchtegern-Jungbleibern, Querulanten, Politikern und Journalisten gehörig die Leviten. „Was ist nur los mit dieser Welt?“, fragt sich die Kabarettistin aus Tittenkofen. In Großbritannien werde es zum „Head Crime“ erklärt, wenn ein Mann einer Frau nachpfeife. „I fahr extra noch Italien, dass mir moi wieda oana nochpfeift!“, stemmt sich die Gruberin dagegen, dass „Männer oiwei weiblicher und Frauen oiwei männlicher wern“. Manches dürfe man gar nicht mehr sagen – „Preiss“, zum Beispiel, das sei politisch korrekt ein „Deutscher mit teilevangelischem Migrationshintergrund“.

Ganz schlimm findet die Kabarettistin Veganer, die Fleischesser militant missionieren und dann doch Sojaschnitzel wollen: „I schnitz mir ja auch keinen Brokkoli aus Leberkas!“

Eine dezidierte Meinung hat Monika Gruber auch zum Thema Erziehung: „Wenn die Kinder immer globt werdn, dann glam die des irgendwann!“ Die heutigen Eltern seien davon überzeugt: Schafft das Kind die paar Meter vom SUV direkt zum Klassenzimmer, sei es reif für das Gymnasium. Verläuft es sich, sei es hochbegabt, weil es neue Wege erprobe.

Überhaupt die Bildung: Klar dürfe es Akademiker geben, schließlich bräuchten Handwerker ein Feindbild und auf einer Dissertation könne man auch ein Bier abstellen. Aber der Wahn, dass jedes Kind aufs Gymnasium gehen müsse und später studieren, davon hält die „Gruaberin“ überhaupt nichts. Es sei doch wunderbar, wenn jemand zum Beispiel ein Händchen für gutes Brot habe. Studierte Chemiker, Lebensmitteltechniker und Marketingexperten schmeißen doch nur Semmeln auf den Markt, „wo sie da Leberkas schamt, wenn er si draufflagga muass“.

Ihrer Meinung nach dürften Kinder durchaus vor etwas Angst haben: Zu ihrer Zeit seien das der Papa, der Nikolaus und das Gewitter gewesen. Und die Erwachsenen, die fürchteten sich maximal vor den Russen. Und heute? Da fürchten sich die Menschen vor dem Weißmehl! Gluten! Ein Wahnsinn!

Stammtisch

statt Therapie

Kein Wunder, dass so viele Menschen eine Therapie machen müssen – wobei, die „Gruaberin“ hat das noch nicht gebraucht. Statt zum Therapeuten geht sie zum Stammtisch. Der hilft gegen das größte Problem heute – die Vereinsamung – und den Burnout, die „Orangenhaut der Seele“. Die Tittenkofenerin will auch nichts davon wissen, die „Seele baumeln zu lassen“: „Mit 46 hängt eh scho fast ois.“ Genauso wenig hält sie vom Thermomix – „i hob nu olle meine Zähn“ – und von Männern mit lackierten Fingernägeln: „Die Maibäume unter den Vollpfosten.“

Dazwischen schlug Monika Gruber immer wieder auch ernste Töne an – zu Themen wie der #metoo-Debatte, Flüchtlingskrise und dem Bildungswahn. Seit 2015 habe sich das gesellschaftliche Klima geändert, der Meinungskompass habe sich um 180 Grad gedreht. Es gebe nur mehr Schwarz oder Weiß. Was früher normal war, sei heute engstirnig, und die Kabarettistin fordert: „I muass Angst hom deafa, und wenn i Angst hob, muass i des song deafa. Und dann mog i aa ernst gnumma werdn.“

Ihr Rezept gegen den grassierenden Wahnsinn: ein bayerischer Grundgrant – das sei Buddhismus mit Bier. Gute Freunde. Sich immer sagen trauen, was man denkt. Das Leben genießen. Der alles entscheidende Satz aber sei „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“

Monika Gruber beschloss den Abend mit einer wunderbaren Zugabe: Ihren Lieblingssong, „My way“ von Frank Sinatra, dichtete sie um zu „Mir duads Mei weh“. Kein Wunder, gibt es doch genug der Narreteien aufs Korn zu nehmen.

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