Blues aus den Südstaaten

Gitarrenklänge aus dem Feinkostregal

von Redaktion

Brother Dege fasziniert im Kesselhaus in Kolbermoor

Kolbermoor – Der Süden im Allgemeinen scheint dem wilden Gitarrenmagier Brother Dege aus den Sümpfen Louisianas zu gefallen. So gastierte er nun zum dritten Mal in der Region nach seinem sensationellen Auftritt beim „Saitensprünge“-Festival in Bad Aibling. Der Komponist des stärksten Songs auf dem Soundtrack des Rachewesterns „Django Unchained“ von Quentin Tarantino trat wieder im Industrie-Ambiente des Kolbermoorer Kesselhauses auf.

Zum Warmspielen demonstrierte der charismatische Musiker seine Fähigkeiten an der „Dobro“, der metallenen Gitarre mit dem unverwechselbaren Sound. Sein Solo mit zunächst sphärischen Klängen ging über in ein kunstvolles Stück mit ruhigen Passagen, die mit erdigen, rhythmischen Sequenzen wechselten – ein Vorgeschmack auf das weitere Programm. Diesmal stimmlich besser in Form fand der Singer-Songwriter schnell in die Gesangsspur und modulierte gekonnt zwischen sanft schmeichelnd bis hin zu rauen, typisch bluesrockigen „Shouts“ in der Tradition der großen Bluesmusiker aus den Südstaaten. Den swingenden Sound der Dobro verstärkte Begleitgitarrist Tom Portman, der seine flach umgehängte Gitarre ebenfalls mit der Slide-Technik auf virtuose Art spielte und seinem Instrument teils meditative Klänge wie von einer Sitar entlockte.

Nach der Pause kam die zweite Hälfte der Band hinzu: Kent Beatty am Bass und Greg Travasos am Schlagzeug sorgten fortan für stampfenden Rhythmus. Wuchtige Stücke wechselten im Programm mit fein ziselierten Melodielinien, und die beiden Gitarristen harmonierten bestens. Elegante Klänge, die an die Gelassenheit eines J. J. Cale erinnerten, kontrastierten mit Nummern voller BluesrockPower. Klanggenießer konnten sich ein ums andere Mal am filigranen Ineinander und Miteinander der Klänge von Portman und Brother Dege delektieren – Gitarrenklänge aus dem Feinkostregal!

Mit einem existenziell und verzweifelt dargebrachten Liebessong („Don´t walk away“) und regional von Louisiana nach Texas ging es langsam zu den Höhepunkten, dem schönen, langen Bluesrockstück „Give me back pain“ und dem Stück „Early Mornin´“ aus dem neuen Album.

Schließlich mischte sich Brother Dege mit seiner Gitarre noch unter das begeisterte Publikum. Freilich ließ jenes die Band nicht ohne das fulminante „Too old to die young“ aus dem Saal, facettenreich und mit Improvisationen angereichert. Knapp zwei Stunden komplexer, gitarrendominierter Sound, der mit seiner hohen Musikalität in Arrangements und individueller Virtuosität über reinen Bluesrock meilenweit hinausreicht.

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