Rosenheim/München – Die in Rosenheim aufgewachsene Natalie Buchholz ist Lektorin im Klett-Cotta-Verlag und hat kürzlich ihren ersten Roman vorgelegt: „Der rote Swimmingpool“, eine spannende Familiengeschichte, die teilweise in Baierbach am Simssee spielt (siehe auch Rezension unten). Natalie Buchholz kommt überpünktlich zum Interview in das kleine Rosenheimer Café, hellwach am Sonntagvormittag und sehr gesprächsbereit.
Frau Buchholz, können Sie uns etwas über Ihre Biografie erzählen, weil die ja vielleicht mit Ihrem Buch zusammenhängt?
Mit dem Buch nicht unmittelbar. Ich bin 1977 im Elsass geboren, meine Mutter ist Französin, mein Vater ist Deutscher, ich bin die ersten Jahre in München aufgewachsen, bevor wir nach Rosenheim zogen, wo ich sozialisiert worden bin. (lacht)
Wo haben Sie in Rosenheim gewohnt?
In Happing, dort bin ich in die Grundschule gegangen, am Ignaz-Günther-Gymnasium habe ich dann Abitur gemacht.
Sie haben jetzt Ihren ersten Roman geschrieben: „Der rote Swimmingpool“. Gab es irgendeinen speziellen Anlass dafür?
Kurz bevor ich den Roman anfing zu schreiben, habe ich mich mit dem Thema Alter beschäftigt. Weniger mit meinem eigenen Alter, sondern mehr mit der Generation meiner Eltern. Weil das Älterwerden auch die Jüngeren betrifft. Dem Alter gegenüberstellen wollte ich die Jugend. Die Jugend ist ein kostbares Gut. Wenn man aber in der Jugend drinsteckt, erkennt man dieses kostbare Gut als solches nicht.
Die Hauptperson des Romans ist Adam, ein Abiturient: Ist es nicht sehr schwer, sich als Frau in die Seele eines jungen Mannes hineinzufühlen?
Es ist eine Herausforderung, aber ich hatte diese Figur im Kopf und eine ganz spezifische Szene. Davon bin ich nicht mehr weggekommen. Man muss sich einfach in eine Figur hineinfühlen, auch wenn sie nicht autobiografisch ist, muss sie doch authentisch sein.
Wie hat es angefangen, gab es eine „Urszene“?
Ja, es gab eine Szene – die jetzt aber gar nicht mehr im Buch steht. Das erste Kapitel habe ich komplett gestrichen. Die erste Idee, die ich im Kopf hatte, war die Gegenüberstellung dieses jungen Mannes, der ja Sozialstunden in der Altenpflege ableisten muss, weil er eine Tat begangen hat, mit älteren Menschen. Es hat sich aber im Lauf der Zeit nicht mehr so ergeben, dass das der Einstieg des Romans sein sollte, weshalb die Szene der Löschtaste zum Opfer fiel.
Hat sich dann der Inhalt des Romans verschoben?
Nein – ich kann nicht schreiben mit einer fixen Idee, wie etwas zu sein hat. Im Schreiben erst entwickelt sich die Geschichte und die Idee, wie es weitergehen soll. Ich bin oft, bevor ich loslege, ratlos. So ergibt es sich auch, dass, wenn man weiterschreibt, die Handlung nicht mehr so ganz stimmig ist, und so muss man halt auch immer wieder löschen und eingreifen, Dinge fallen weg und anderes kommt hinzu.
Ich fand die Szenen in Baierbach als zentral. Warum mussten die gerade in Baierbach spielen?
Weil es Szenen der Jugend sind. Und wenn ich an meine eigene Jugend zurückdenke, dann fühlt sie sich an wie ein endlos langer Sommer mit See und Lagerfeuergeruch und Biertrinken und Leute kennenlernen und der ersten großen Liebe. Und immer in der Nähe die Gewitterwolken, auch im übertragenen Sinn, die ganz schnell aufziehen konnten. Diese Szenen konnten nur in Rosenheim oder am See spielen.
Haben Sie schon Reaktionen bekommen auf Ihr Buch?
Ja, dass es sich lese wie ein französischer Film. Im Gegensatz dazu hat der Roman aber Spannung! (lacht) Die mitfühlende Erzählweise wird sehr gemocht, die Leichtfüßigkeit, gepaart mit Humor und Tiefgang.
Ist Ihnen diese Leichtfüßigkeit schwergefallen?
Es passte gut zu dieser Jugend und dieser Figur. Und ich wollte keine affektierte Jugendsprache bilden. Und manchmal kann man es sich auch gar nicht aussuchen, da ist man in einem Fahrwasser drin, dann läuft die Sprache einfach so.
Wie ist es, wenn man einen Roman fertiggeschrieben hat: Ist man da leer und ausgeschrieben oder hat man sofort Ideen für etwas Neues?
Ich hab sofort weitergemacht. Der Drang weiterzuschreiben, war so groß, dass ich nicht pausieren musste. Es wird einen weiteren Roman geben.
Wann haben Sie immer geschrieben, nachmittags, abends?
In den frühen Morgenstunden, immer dann, wenn alles schläft und ruht.
Interview: Rainer W. Janka