Kreuz im Ortsnamen, Teil I

von Redaktion

Maria Bertram (Name geändert) ist eine regelmäßige Urlauberin in der Gemeinde Bad Feilnbach. Sie stammt aus dem Münsterland, das ebenso christlich-katholisch geprägt ist wie unsere alpinen und voralpinen Landschaften. „Aber“, so Frau Bertram, „so ne Menge Feld- und Wegkreuze hammwa bei uns nich!“ Ist diese Feststellung etwa der ultimative Nachweis für die Behauptung, wonach das „Kreuz“ nicht nur „das“ christliche Symbol schlechthin ist, sondern auch ein kulturelles Merkmal, das speziell für (Süd-)Bayern typisch ist?

So hat das Kreuz auch in die Ortsnamen im Chiemgau und im Mangfalltal Einzug gehalten, wenn auch nicht in so häufiger und prominenter Form wie etwa bei Santa Cruz (Kalifornien) oder Vera Cruz (Mexico). Dafür sind unsere Kreuz-Orte ganz spezielle und interessante Fälle.

In der Altgemeinde Dettendorf, die jetzt größtenteils zu Bad Feilnbach gehört, gibt es in der Berblinger Straße, die über Berbling weiter nach Bad Aibling führt, die Abzweigung nach Kreuzhub. Dort befindet sich das Anwesen „Beim Kreuzhuber“ – „Bein Greizhuawa“ auf guad Boarisch. Hinter dem Bauernhof kreuzt das Straßl einen Radweg und führt direkt zu einer „Gedenkkapelle“, die der heiligen Maria geweiht ist, erst vor fünf Jahren errichtet wurde und dem Gedenken auch an diejenigen Mitglieder des örtlichen Veteranenvereins gewidmet ist, die die beiden Weltkriege überlebt haben „oder selbst nie als Soldaten einen Krieg miterleben mussten“, wie es in der Beschreibung der Kapelle heißt.

Mit der modernen Kapelle oder gar mit der Wegkreuzung hinterm Anwesen hat der Name „Kreuzhub“ aber nichts zu tun. Der Hofname ist schon seit den napoleonischen Kriegen und Feldzügen erwähnt. Josef Schweiger, der Kreuzhuber, weiß noch viel mehr zum Namen Kreuzhub zu berichten.

Der Hof habe bis 1850 zum Kloster Scheyern, das bei Pfaffenhofen an der Ilm liegt, gehört. Auf alten Luftbildaufnahmen könne man noch das Kreuz sehen, das für den Bauernhof – eine Hube – namensbildend war. Leider sei dieses bei einem Unwetter zerstört worden. Man werde es aber bald durch ein neues Kreuz ersetzen. Und der auch äußerliche Beweis für die frühere Zugehörigkeit Kreuzhubs zu Scheyern ist die Tatsache, wonach dieses Kreuz „z Greizhuab“, so Josef Schweiger, „a doppeboikats Greiz gween is“.

Tatsächlich: Das sogenannte „Scheyrer Kreuz“ ist grundsätzlich ein „Doppelbalkenkreuz“! Dieses besteht aus einem vertikalen und zwei horizontalen Balken, wobei der obere eine Inschrift, beispielsweise „INRI“ (=Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum), trägt. An der Richtigkeit der Namenserklärung durch den Kreuzhuber haben wir kaum einen Zweifel!

Die Untersuchung, ob auch die Namen von Kreuzbichl bei Bad Endorf, Kreuzwies bei Au bei Bad Aibling oder Kreuzstraße bei Valley tatsächlich christlich-religiös begründet sind, ist für die nächste Folge dieser Serie vorgesehen.

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