Aschau – „Es gibt meines Wissens keinen Ort in Deutschland, an dem zeitgenössische Malerei aus Leipzig so wiederkehrend präsent ist und so intensiv auf höchstem Niveau gezeigt wird, wie hier in dieser Kunsthalle, den Galerieräumen von Kunst und Kultur zu Hohenaschau“, sagte der Kunsthistoriker Dr. Elmar Zorn in seiner Einführungsrede zur Ausstellungseröffnung von „Status Quo“ des Leipziger Malers Rayk Goetze.
Seit drei Jahren legt der Vorsitzende und künstlerische Leiter des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau, Rudolph Distler, sein Hauptaugenmerk auf die Leipziger Schule. Vor allem die Arno-Rink-Ausstellung vor eineinhalb Jahren sorgte für Furore. Auch Rayk Goetze ist Schüler von Arno Rink und setzt auf spektakuläre Weise dessen Wirken fort.
Er tut dies jedoch weitaus fantasievoller als Rink – in malerischen Höhenflügen der Kunstgeschichte. Der Ausstellungsbesucher trifft in den verschiedenen Räumen auf immer neue Malgefilde zwischen heute, gestern und morgen.
Die Bilderwelt von Rayk Goetze dominieren drei Stilelemente. Da ist die malerische Figuration, so in der malerischen Modellierung von Gesichtszügen durch Farbnuancierungen und präzis gesetzten Licht- und Schattenkontrasten. Gerade in seinen Porträts kommt die perfekte realistische Malkunst von Rayk Goetze zum Ausdruck.
In seiner ornamentalen Malerei versucht er, die Renaissance-Maler zu übertreffen. Dies zeigen die Faltenwürfe der Gewänder und Kleiderschleppen seiner weiblichen Figuren. Im Ölbild Nr. 51 im Raum 2 ist ein Goldzopf zu sehen und wirkt wie die Rückenansicht einer spanischen Dame vor einem faltenreichen Vorhang. Oder der Betrachter blickt auf den bloßen Rücken einer halbangezogenen Frau mit einem Rock, der üppige Falten wirft. Dann wieder geht der Faltenwurf in papierne Beine mit Strumpfmuster über. Der Kopf eines Hundes vor ihr wird verdeckt wie von einer Sprechblase eines Wesens aus einer anderen Welt wie bei einem Comic.
Am frappierendsten sind die Mischwesen aus Mann und Frau. Es finden sich voll realistisch ausgemalte Körper, eine Figur mit weiblichen Brüsten, doch männlich muskulösem Körperbau. Die ansonsten nackte Figur trägt einen Slip und doch kann der Betrachter das eigentliche Geschlecht nicht ausmachen.
Immer wieder geben die Bilder Rätsel auf, verblüffen oder schockieren. Goetze bedient sich in seiner Malerei der Geometrie, indem er obsessive Muster von Kreisen und Linien präsentiert. „Es sind geradezu kompositorische Aliens, die die Horizontlinien und den rechten Winkel der Vertikalorientierungen durch Stäbe und Lanzen in die Oberfläche der Leinwand zurückweisen“, so Elmar Zorn.
Vollends verwirrend wirken auf den Betrachter die Collagen, auf denen die unterschiedlichsten Motive zusammen montiert sind. So auf dem großformatigen Ölbild mit dem Titel „Schwebebalg“ (Nr. 12 im Flur des ersten Stockwerks). Darauf zu sehen sind ein Schwebebalken, ein kleiner Stuhl, eine winzige, nackte Figur ein kleiner, betender Mönch und zwei große Figuren mit Körpern unbekannten Geschlechts, doch der eine mit schwarzem Gesicht und der andere mit einem Frauenkopf auf dem neutralen Körper. Bei noch längerem Hinsehen wäre sicher noch mehr zu entdecken. Der Hintergrund des Bildes ist gelb-orange.
Der Ausstellungsbesucher erlebt eine Wanderung wie in Museum und Panoptikum zugleich. Unterhaltsam ist der Raum 1 mit Zeichnungen der verschiedensten Motive mit sprachkünstlerischen Sprüchen, teilweise Kalauern wie „Toterli“ oder „Folterli“, eine surreale Fantasie des Komischen.
Zu sehen in der Galerie im Festhallengelände in Hohenaschau bis 10. Juni mittwochs von 16 bis 18 Uhr, freitags, samstags und sonntags von 16 bis 19 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr.