Prien – In der Reihe „Colours of Jazz“ von „Stauber & Friends“ fand in der Evangelischen Christuskirche eine musikalische Lesung mit dem Schauspieler August Zirner und dem Musiker Sven Faller statt. Der Publikumsansturm war überwältigend, Kirche und Gemeindesaal waren rappelvoll.
Die Lesung stand unter dem Titel „Transatlantische Geschichten“ und bestand aus gemeinsamen Erinnerungen von Zirner und Faller. Humorvoll, spannend und temperamentvoll gestikulierend erzählte August Zirner davon, wie er die Bekanntschaft mit Sven Faller machte. Diese sei entstanden, als er bei Filmaufnahmen aus Langeweile auf seiner Querflöte blies und Sven Faller quasi als Echo auf dem Kontrabass antwortete.
In ihre beiden Biografien entdeckten Zirner und Faller schließlich viele Gemeinsamkeiten und Parallelen. Zirners Großmutter war als Jüdin von Wien nach New York geflohen und Sven Fallers Großvater vor den Wirren der Nachkriegszeit nach Kalifornien. Da entstanden gemeinsame urkomische Erinnerungen an einen New Yorker Taxifahrer und vieles mehr.
Eher wehmütig waren die Erinnerungen an die Väter – auch an die Jazz-Väter, wobei der Jazzmusiker Miles Davis ins Spiel kam. Zirner und Faller wechselten mit ihrer Musik über Bebop zum Modern Jazz.
Auch ansonsten glichen sich Querflöte und Kontrabass stets den jeweiligen Stimmungen in den Geschichten an. Da erklang beispielsweise „In a sentimental mood“ von Duke Ellington bei einer romantischen Episode oder „Summertime“ von George Gershwin aus „Porgy und Bess“ bei einer wehmütigen.
Bei „Caravan“ von Duke Ellington bewiesen Zirner und Faller ihre Perfektion in der Improvisation. Das galt auch bei der heiß erklatschten Zugabe „Take five“ von Paul Desmond das Dave Brubeck so berühmt gemacht hatte. Die Zuhörer erlebten gut zwei Stunden lang wunderbaren Jazz nebst unterhaltsamen Geschichten, die von Wien und München über den Atlantik und wieder zurück führten.