Rosenheim – In der Goethe-Gesellschaft ist Martin Pfisterer ein gern gesehener Gast. Der ausgebildete Sprechtrainer und Rezitator trug dieses Mal auf Einladung der Goethe-Gesellschaft Rosenheim im Künstlerhof am Ludwigsplatz drei Geschichten aus dem Roman „Ruhm“ von Daniel Kehlmann vor. Kehlmann, der mit seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ internationalen Erfolg hatte, gelingt in seinem Roman „Ruhm“ ein raffiniertes Spiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit, Ruhm und Verschwinden, Wahrheit und Täuschungen. Alle Geschichten stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern sind kunstvoll miteinander verschränkt.
In der Geschichte „Stimmen“, die Pfisterer zuerst las, geht es um einen Mann, der auf seinem Mobiltelefon Anrufe bekommt, die einem anderen gelten. In „Der Ausweg“ wird eben dieser Mann, ein bekannter Schauspieler, nicht mehr angerufen. Als sein eigener Doppelgänger nimmt er eine andere Identität an, tritt als Double in einer Disco auf und wird plötzlich von seiner engsten Umgebung nicht mehr erkannt. Die Geschichte „Osten“ handelt von einer Krimiautorin, die in einer sozialistischen Diktatur im tiefsten Asien von einer Reisegruppe vergessen wird und, weil sie sich nicht verständlich machen kann, in eine alptraumhafte Lage gerät.
Pfisterer verstand es eindrucksvoll, den jeweiligen Gefühlszustand, die Ohnmacht und wachsende Verzweiflung der Protagonisten zu Gehör zu bringen. Mit scharfer, schneidender Stimme und präziser Artikulation erzeugte Pfisterer eine Spannung, die das Publikum bis zum letzten Satz bannte. Immer wieder steigerte er sein Sprechtempo, brachte die Prosa Kehlmanns mit virtuoser Wucht zur Geltung. So verwunderte es nicht, dass der Rezitator für seine meisterhafte Darbietung von den Zuhörern begeisterten Beifall erhielt.