Wasserburg – Der ARD-Musikwettbewerb in München ist einer der renommiertesten Musikwettbewerbe überhaupt. Dass der Bayerische Rundfunk nun dessen Preisträger auf Reisen schickt, ist eine glänzende Idee. Am Freitag gastierten sie im nicht ganz gefüllten Wasserburger Rathaussaal – und alle Zuhörer waren hochbegeistert, von der Frische, dem unmittelbaren Zugang zur Musik, von dem feinen Miteinanderspielen und aufmerksamen Aufeinanderhören und von dem unprätentiösem Auftritt der jungen Musiker.
In Beethovens Horn-Sonate op. 17 brillierte Katerina Javurková, ihr Horn schmetterte signalhaft fröhlich, tönte träumerisch oder sang in samtigem Piano, am Klavier von rauschendem Spielwerk meisterlich umrankt von Wataru Hisuase. Die Besetzung für „Hymnus II“ von Alfred Schnittke (1934 – 1998) ist ungewöhnlich: Cello und Kontrabass. Aus dem tiefdunklem Nichts schälen sich lange Töne, leise fahle Haltetöne wechseln sich ab mit wildem Basszupfen und lauten Cello-Klagen. Fragend hört es auf, als wollte es fragen: Hymne worauf? Das tonfarbenreiche Cello von Bruno Philippe verflocht sich aufs Schönste mit dem äußerst beweglichen Kontrabass von Wies de Boeve, dem ersten ARD-Preisträger mit diesem Instrument seit 50 Jahren.
Harsche
Bogenstriche
Zu dem Cello gesellten sich die Geige (Andrea Obiso) und die Viola (Katarzyna Budnik-Galazka) in der fünfsätzigen Serenade von Ernst von Dohnanyi (1877 – 1960), dem allgemein Brahms-Nähe attestiert wird: zu Recht, hörte man hier. Alle drei gehen sehr energisch und temperamentvoll zu Werke, scheuen dabei nicht zurück vor harschen Bogenstrichen, die helltonige Geige klingt abwechselnd zart und schneidend, nach dem huschend-jagenden dritten Satz mit dem schwelgerisch-schönen Mittelteil gab’s schon Zwischenapplaus, doch noch kam ein melancholisch singend-sinnender und dann ein stürmischer Satz mit Tanzboden-Atmosphäre: Brahms auf dem Tanzboden.
Heitere Serenaden-Atmosphäre brachte dagegen das Quartett für Streicher und Horn von Friedrich Witt (1770 – 1836), einstmals würzburgischer Hofkapellmeister. Das Horn (Katerina Javurková) begann dominant, gliederte sich aber sofort darauf wieder weich ein, phrasierte intelligent und schwingend, die Geige (Andrea Obiso) führte mit wohldosiertem Vibrato.
Den Schluss machte das Quintett in c-Moll op.16 von Hermann Goetz (1840 – 1876) in der dunklen „Forellenquintett“-Besetzung, wonnig wogend, in all dem Gewoge war das Klavier (Wataru Hisuase) auch nur eine Woge, nicht der Wind, der alles peitscht, die Geige und die Viola verbanden Klarheit mit Wärme und das Cello durfte wieder herrlich singen: Es war alles einfach mitreißend, frisch und jugendlich.