Bad Endorf – Tiefer kann man nicht sinken: Im Schweinestall, halb verhungert, liegt Ruben (Konrad Hamberger) im eigenen Dreck. Aller Reichtum, aller Glanz – vertan, verprasst, vergeudet!
Heimlich wischen sich nicht wenige Premierengäste im Volkstheater Bad Endorf Tränen aus den Augen, so tief ist der Fall, so schrecklich der selbst verursachte Untergang, so scheinbar aussichtslos die Lage.
Doch in Ruben, den Gefallenen, erwachen hoffnungsvolle Gedankenbilder – geschickt dargestellt durch paralleles Spiel auf der Bühne: Die Geschwister (Sophia Schröder als Ruth und Laura Manhart als Mirjam) und vor allem der Vater (Peter Langer) rufen ihn zur Umkehr, zur Heimkehr auf.
Aus dem Schmutz
der Vergangenheit
„Wer glaubt, der hofft und der liebt“ – dieser Satz erhebt den verlorenen Sohn im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Schmutz seiner eigenen Vergangenheit und lässt ihn Aufbrechen – nach Hause. „Die warst mein Sohn und du bist mein Sohn!“ Mit diesen Worten wird er vom Vater nach tiefstem Fall sehnsüchtig und liebevoll empfangen.
Nach einer überaus modernen Einleitung gelingt vor allem im dritten Akt ein bewegender aber auch durchaus düsterer Blick in der Menschen Herz: Der verlorene Sohn kehrt heim – und schon ergreifen erneut die alten Mechanismen Eifersucht, Neid, Missgunst Besitz, vor allem von Ephraim (Josef Kößlinger), den erstgeborenen Sohn. Er fühlt sich zu wenig geliebt, obwohl er – aus seiner Sicht – alles gibt und alles gegeben hat.
Rund 60 Mitwirkende setzen dieses bekannte Gleichnis nach Vorlage von Autor Erich Eckert um, erstmals unter der Regie von Spielleiterin Christine Roßmy. Ihr gelingt etwas Besonderes, indem sie das eigentliche Spiel von der Bühne sozusagen in die Herzen der Zuschauer verlagert. Ständig wird das Gewissen innerlich bestürmt: Wie würdest du jetzt handeln? Wäre es nicht schön, wie der verlorene Sohn, der Arbeit zu entsagen, zu feiern, schlichtweg zu leben? Aber ist es wirklich schön und be-lebend, dieses Leben in Saus und Braus, umgeben von „falschen“ Freunden (zutiefst hinterhältig dargestellt von Werner Hofmann als Kamar)? Was heißt denn eigentlich „leben“? Im Feuersturm dieser Fragen wird jeder einzelne Zuschauer gewollt zum Mitspieler: zum Richter, zum Verurteilten, zum Verlorenen – letztlich aber auch zum Geliebten, denn: „Man kann zu Gott immer zurückkehren“ singt der Schlusschor aus allen Mitwirkenden voller Strahlkraft über alle Fragen, Verwerfungen und Zweifel hinweg. Die musikalische Begleitung im gesamten Stück hat Josef Strobl. Wie im biblischen Gleichnis lässt Roßmy das Ende offen und entlässt damit die Zuschauer erneut in ihr ureigenes Seelenspiel, das einen im eigenen Zuhause angekommen noch lange nachhaltig beschäftigt.