Neubeuern – Mit Joseph Haydns Es-Dur-Quartett op. 33 Nr. 2 zauberten Bojidara Kouzmanova und Anna Knopp (Violine), Milan Milojicic (Viola) und Leonhard Roczek (Violoncello) eine Atmosphäre beschwingter Leichtigkeit in den Saal. Der konzertante erste Satz mit seiner großen Kantilene, das fröhliche Scherzando und das ernste, melodisch ruhige Largo strahlten eine zu Herzen gehende Frische und Lebendigkeit aus. Witzig war das Finale mit dem parodistisch-feierlichen Adagio-Einschub und dem nach kurzem Innehalten lustig ertönenden Violinseufzer am Schluss, der beim Publikum amüsierten Beifall auslöste.
Das düstere siebte Streichquartett in fis-Moll von Dmitri Schostakowitsch bildete zu Haydn einen großen Kontrast. Dem Minetti-Quartett gelang eine Interpretation voller Empfindsamkeit, Zartheit und Kraft. Dass die Violinistin noch einmal den Saal verlassen musste, um ihre Noten zu holen, sorgte für Schmunzeln.
Faszinierend war der Gesamteindruck des Werkes. Im unruhig gehetzten Allegretto erzeugte das Cello gleichsam ein entfernt klingendes Echo. Auf Klagefigurationen von Viola und Violoncello im Lento und hohe, kaum mehr hörbare Töne der Violine folgten im dritten Satz aufwühlende, maschinenartig stampfende Passagen, die das Publikum elektrisierten. Die drei ineinander gehenden Sätze spielte das Minetti-Quartett mit einer überragenden technischen Perfektion und einer Intensität, die einem den Atem stocken ließ.
Schuberts Musik mit ihren nicht enden wollenden, himmlischen Längen wirkt wie eine in Töne gefasste Sehnsucht nach dem Paradies. Im G-Dur-Quartett op. posth. 161 stellten die vier Musiker erneut ihre meisterhafte Klangkultur unter Beweis. Heiterkeit rief erneut die erste Geigerin hervor, weil sie dieses Mal ihre Brille vergessen hatte, was sie etwas verlegen mit der erforderlichen Konzentration auf die Musik entschuldigte. Tatsächlich verlangte das Werk nicht nur vom Minetti-Quartett, sondern auch vom Publikum große Ausdauer und konzentriertes Zuhören.
Bereits im Allegro molto moderato spielte das Minetti-Quartett mit großer Ausdruckskraft, konturierter Schärfe und Eindringlichkeit. Effektvoll waren viele Pizzicato- und Tremolo-Passagen im Kopfsatz, ängstlich flirrende Unruhe verbreitete das von dramatischen Ausbrüchen geprägte Andante, sanfte Melodik verströmte das lyrische Thema der Violine im Scherzo. Rhythmische Rasanz prägte schließlich auch das Finale mit seiner monoton dahinjagenden Motorik.
Nach dem lang anhaltenden begeisterten Beifall des Publikums spielten die vier Musiker als Zugabe noch den zweiten Satz aus Mendelssohns frühem Streichquartett op. 12.