Kammermusik

Feuersturm und schmelzende Süße

von Redaktion

Junges Klaviertrio spielt im Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim

Rosenheim – Das Klaviertrio spielte zu recht im Ignaz-Günther-Gymnasium: Sowohl die Geigerin Marita Hörberg als auch der Pianist Thomas Schuch sind Absolventen dieses Gymnasiums, und so füllten erfreulich viele Zuhörer die Aula. Komplettiert wird das Trio durch Cellistin Katarina Schmidt, die Ehefrau des Pianisten.

Das Programm war geschickt gebaut: Vor die großen Trios von Brahms und Mendelssohn-Bartholdy waren zwei kleinere Werke gestellt: Mit den Rumänischen Volkstänzen von Béla Bartók (1881 bis 1945) begann’s, und schon da konnte man hören: Die Streicher ziehen die Bögen voll durch, die Cellistin war das Energiezentrum, die Geigerin steuerte Violin-Süße bei, während das Klavier sich etwas dezent im Hintergrund hielt. Der Rhythmus war explosiv, der Wechsel von Zupfen und Streichen klappte vorzüglich. In der Elegie op. 23 von Josef Suk (1847 bis 1935) war die Violin-Süße geschmackvoll dosiert und mit Zartheit und Delikatesse garniert.

Hervorzuheben ist zunächst das selbstbewusst-selbstverständliche Auftreten der jungen Künstler und das ausgesprochen harmonische und zugewandte Zusammenspiel, das sich auch optisch zeigte in Blickwechseln und Körperdrehungen. Das bewies sich im Klaviertrio Nr. 2 von Johannes Brahms, in dessen langsamen Satz die beiden Streicherinnen am Ende bei den Seufzermotiven sich gleichsam die Bögen reichten und das kleine Verzierungsmotiv hübsch hin- und herwandern ließen. Dazu gab der Pianist sorgsam ausgehorchte und fein gemischte Akkorde bei. Im Kopfsatz hatten alle drei den langen Atem für die langen Melodiebögen und ließen die Musik immer vorangehen, blieben im Gesamtklang schön herb und verzärtelten und versüßelten nichts.

Im c-Moll-Trio von Felix Mendelssohn-Bartholdy entfachten die drei in den beiden Ecksätzen einen veritablen Feuersturm, abgewechselt von schmelzender Süße des Streicherklangs, der langsame Satz war wie ein lyrisches Duett ohne Worte, im Scherzo, das laut Mendelssohn selbst „eklig zu spielen“ sei, brillierte Thomas Schuch mit blitzender Geläufigkeit. Wollte das Publikum schon nach dem Kopfsatz beinahe applaudieren, tat es dies am Schluss ausgiebig herzlich, wofür es eine Wiederholung des letzten rumänischen Tanzes bekam.

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