Valley an der Mangfall

von Redaktion

„Välly? Naa, gwieß ned! Unser Ortsname is koa englisches Wort! Fallei is die richtige Aussprache von Valley“, lächelt Dr. Sixtus Lampl, ehemals Oberkonservator am Bayerischen Amt für Denkmalpflege, der die Frage nach der Aussprache des Namens der Gemeinde Valley und des gleichnamigen Dorfes, das am Hochufer der Mangfall liegt, bestimmt nicht zum ersten Mal erklärt. Frau Lampl ergänzt: „Betont wird der Name hinten, also: Fallei“. Und die Lampls haben sogar eine Namenserklärung parat: „Der Ortsname leitet sich von der keltischen Göttin Fallada her“.

Schon richtig: Nicht nur die Gegend um Valley herum, sondern auch der daran angrenzende Altlandkreis Bad Aibling weisen manche Spuren der Römer- und Keltenzeit auf. Im Büachl „Der Miesbach Reiseführer“ heißt es zu Valley: „Über dem Hochufer der Mangfall sind Formen einer Keltenschanze zu erkennen. Der Burgberg wiederum war ein Stützpunkt der Römer und vor Schloss Valley gibt es noch – heute eine Kopie – einen römischen Meilenstein.“

Also: Eine keltische oder römische Grundlage des Namens Valley? Michael Gasteiger schreibt 1953 in „Der Landkreis Miesbach“ hierzu: „Valley hat seinen Namen dem Romanischen entlehnt“. Etwas weiter unten schreibt er vom „Goldenen Tal“, in dem die Grafen von Scheyern-Valley bis 1238 „größeren Grundbesitz hatten“. Aus dieser Bemerkung erschließen wir indirekt den Versuch, Valley mit „goldenes Tal“ zu übersetzen, etwa mit der Grundlage „vallis aurea“.

Zumindest das Wort vallis, also der Begriff für „Tal“, könnte hier sprachlich passen, da das romanische v von den zugewanderten Germanen anstatt als w mit f gesprochen wurde. Aber: Valley liegt in keinem Tal!

Also doch eine Namensherkunft von Fallada? Nur: Diese Keltengöttin ist in keinem einzigen einschlägigen Lexikon erwähnt! Ist sie etwa eine nur auf Valley beschränkte Gottheit? Zu finden war hierzu nur der Name des sprechenden Pferdes Falada im Märchen „Die Gänsemagd“!

Die Wissenschaft in Gestalt von Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein erklärt Valley folgendermaßen „Wichtige Belege des Siedlungsnamens lauten: 1127-1147 Ualeie, (…), nach 1157 de (= von) Falagi (…)“. Der Gelehrte führt in seinem „Lexikon Bayerischer Ortsnamen“ hierzu aus: „ Der Burgname, der wohl in vorrömische Zeit zurückreicht, lässt sich wohl zum mittelirischen Wort fal ‚Zaun, Gehege‘ stellen, das durch das vorgermanische Suffix -agiu abgeleitet ist; das g wird dann durch die Kontraktion zu -ei-.“

Wir dürfen dem hinzufügen: Das Wort „fal“ ist auch im modernen Irisch derart belegt; ebenso wie der Begriff „falulaigh“ als „Einzäunen, Einschließen“.

Nicht unbeachtet zu lassen ist der Hinweis eines Einheimischen, wonach Valley ein Weiberleut sei. Es heißt hier: „In der Fallei“. Und zum berühmten „Mangfallknie“ weiß er anzumerken: „Mangfoi-Gnia, ja scho, aber es is eigentli a Mangfoi-U!“ Recht hat er! Die Mangfall vollzieht ab Valley eine – auf guad Englisch – „U-turn“, also eine Umkehrung. Bedingt durch eine spätere eiszeitliche Gesteinsbewegung knickt sie seitdem U-förmig in Richtung Osten via Bad Aibling nach Rosenheim ab, bis sie in den Inn fließt.

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