Aus dem Volksmusikarchiv

Wirtshauslieder zum Mitsingen

von Redaktion

Geselliger Nachmittag am Sonntag, 1. Juli, im Gasthaus Netterndorf

Bei meinen seit 1974 durchgeführten Feldforschungen zur regionalen Musikkultur in Oberbayern haben die alten Tanzmusikanten und die Musikanten, die in den Wirtshäusern aufgespielt hatten, besonders darauf hingewiesen, dass vor allem beim auswendigen Musizieren immer wieder Liedmelodien eingebaut wurden, die die Gäste und die Tänzer mitsingen konnten. Als ich Ende der 1970er und in den 1980er-Jahren mit der „Inntaler Klarinettenmusik“ zu Volkstänzen aufspielte, haben wir ganz selbstverständlich auch bei Landler, Walzer, Polka und Schottisch, Drehern und Zwiefachen einfache Liederweisen eingebaut – zur Freude und zum Mitsingen des Publikums.

In unserer Arbeit am Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern haben wir diese Erfahrung des liedhaften Tanz- und Unterhaltungsmusizierens zur Aktivierung der Zuhörer ganz selbstverständlich übernommen und weiterentwickelt. Da gibt es einige Taschenliederheftchen oder auch Texthefte zum Mitsingen mit bekannten deutschen und bayerischen Liedern – und wir haben mit einer kleinen Blasmusikbesetzung viele dieser Lieder zum Frühschoppen, im Biergarten oder zur geselligen Abendunterhaltung neu zum Leben erweckt.

Voll Freude und lauthals wird da von Alt und Jung mitgesungen, wenn wir mit Trompete, Flügelhorn, Akkordeon, Gitarre und Bombardon die bekannten und teils vergessenen Weisen anspielen. Wie vor 100 Jahren in den Bierkellern und Volkssängerlokalen liegen Textblätter auf den Wirtshaustischen, damit die Besucher die Texte vollständig mitsingen können.

Im Walzertakt erklingt da „I lieg im Straßngrabn, was werd mei Weiberl sagn? Rauschi, aber rauschi …“; „Vo Mühlegg bis Schneizlreith“, „Aba Muatter, da schau her“ oder der Vierzeiler „Der Oa links, der Oa rechts,/der Oa hats, der Oa möchts./Der Oa schickt ihr an Gruaß,/der Oa hats scho beim Fuaß.“

Zur Mazurka wird das lustige Lied vom „Friederikerl“ gesungen, in dem das Dirndl die Anfrage des Buam abschlägig beantwortet: „Hab i da’s gestern gsagt, daß i di gar net mag“.

Als Schottisch und Polka ist auch zu hören „Wohl in der Rosenau, da ist der Himmel blau, da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau“ oder „Schenkts ma amal was Boarisch ein, boarisch woll ma lustig sei“. Zum schnellen Dreher stimmen alle an: „Hans, bleib da, du woaßt ja net wia’s Wetta werd! Es ko renga, es ko schneibn oda a sche Wetta bleibn!“.

All diese Texte – und viele mehr – habe ich in mündlicher Überlieferung im Chiemgau und Inntal festgestellt und von (älteren) Gewährspersonen aufgezeichnet.

Am Sonntagnachmittag, 1. Juli, laden die Musikanten des Volksmusikarchivs von 15 bis 17 Uhr ins „Gasthaus Gröbmeyer“ in Netterndorf (Gemeinde Baiern/Kreis Ebersberg) zu einer volksmusikalischen Biergartenunterhaltung ein (bei schlechter Witterung im Gasthaus). Dabei erklingen die in den vergangenen Generationen in dieser Gegend beliebten Stücke für Trompete und Flügelhorn, wie überlieferte Schottische, Landler und Polkas aus Musikantenhandschriften – aber auch der „Bienenhaus-Galopp“, das „Rehragout“ oder der „Jäger aus Kurpfalz“. Auch die in den Wirtshäusern beliebten bayerischen Lieder wie der „Dudlhofer“, das „Loisachtal“, „Die Gamserl schwarz und braun“ oder der „Böhmerwald“ werden angestimmt und die Besucher erhalten Textblätter zum Mitsingen.

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