Schlosskonzerte Neubeuern

Mit intimer Vertrautheit

von Redaktion

Herbert Schuch beschloss Konzertsaison

Neubeuern – Ein krönender Abschluss der Neubeurer Konzertsaison gelang dem Rosenheimer Pianisten Herbert Schuch mit zwei grandiosen Klaviersonaten. Auf dem Programm standen Franz Schuberts B-Dur-Sonate D 960 und die „Hammerklaviersonate“ von Ludwig van Beethoven.

Schuberts B-Dur-Sonate stellt hohe Anforderungen an Klangkultur, Kantabilität und Ausdruckskraft. Wohl kaum ein Pianist meistert diese Aufgaben so sensibel, so behutsam, mit einem so leuchtenden klaren Ton und betörenden Nuancenreichtum wie Herbert Schuch. Ruhig, behutsam, ganz in die Musik versunken, spielte Schuch das träumerisch dahinfließende Molto moderato, dessen zarte Melodik das Publikum gefangen nahm. Auch der zweite Satz, den Schuch mit bewusst gesetzten Pausen und großer Klangsinnlichkeit interpretierte, verströmte Wehmut und Resignation. Hell und rein und klar klang eine sehnsuchtsvolle Melodie, die der Pianist mit zart hingetupften Staccato-Tönen umspielte.

Lebhaftigkeit und Heiterkeit kennzeichneten das tänzerische Scherzo und das Finale, in dem harte Akkorde und eruptive Ausbrüche mit freundlich lichten Passagen abwechselten. Schuch gelang es auch in diesen Sätzen meisterhaft, den Klangkosmos Schuberts völlig unprätentiös mit Liebe, Einfühlung und intimer Vertrautheit zu Gehör zu bringen.

Die „Große Sonate für das Hammerklavier“ in B-Dur op. 106 stellt den Höhepunkt der Klaviersonaten Beethovens dar. Die unerhörte Klangfülle des Werkes, seine exaltierten Steigerungen, der Kontrast zwischen kraftvoller Rhythmik und sanften Lyrismen nahmen den Hörern den Atem. Schuch spielte die vier Sätze mit einer Tiefe und Intensität ohnegleichen. Besaß das Allegro Kraft und Größe, wirkte das Scherzo mit seinem gespenstischen, wesenlosen Charakter leicht und ätherisch. Die von Schuch mal leise und zurückgenommenen, mal mit aufwühlenden Forte-Schlägen gespielten Passagen verwirrten und wühlten den Hörer auf.

Voller fesselnder Leidenschaft erklang der nicht enden wollende Monolog im Adagio sostenuto. Den religiösen Ernst des choralhaft aufsteigenden Hauptthemas, die Wandlung von Resignation in Harmonie und den verklärten Fis-Dur-Schluss gestaltete Schuch mit erschütternder Ausdruckskraft. Nach dem überleitenden Largo glänzte der Pianist im kontrapunktischen Allegro risoluto, das sich zu einer riesigen, von Trillern begleiteten Coda steigerte. Für seine packende Interpretation, die keine Zugabe mehr zuließ, erhielt Schuch vom Publikum enthusiastische Ovationen.

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