Symposium in Aschau

„Müllner-Peter braucht neue Bewertung“

von Redaktion

Interview mit Dr. Margot Hamm (Haus der Bayerischen Geschichte) und Dr. Steffen Voss (Staatsbibliothek)

Aschau – Der Müllner-Peter, durch den 1972 erschienen Roman „Der Müllner-Peter von Sachrang“ von Carl Oskar Renner und dem darauf basierenden BR-Fernsehdreiteiler „Sachrang – Eine Chronik aus den Bergen“ von 1978 bekannt, genießt in musikwissenschaftlichen Kreisen hohe Anerkennung. Zum 175. Todestag des Müllner- Peter widmet sich am Wochenende 30. Juni und 1. Juli in Sachrang ein internationales Symposium dem Sachranger Universalgenie. Dr. Margot Hamm vom Haus der Bayerischen Geschichte und Dr. Steffen Voss von der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek in München erklären, was es mit dem Symposium auf sich hat.

Das Symposium wird sich nicht nur mit der Musik des Müllner-Peter, sondern auch mit seiner Zeit auseinandersetzen. Wie viel braucht es da an Vorbereitung?

Dr. Margot Hamm: Bei der Vorbereitung des Symposiums haben wir in einem Gremium zusammengearbeitet, das sich aus Vertretern der Bayerischen Staatsbibliothek, der Gemeinde Aschau, dem Museumsverein Müllner-Peter von Sachrang, Vertretern des Volksmusikarchivs des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl und freischaffenden Historikern zusammensetzt. Wir haben uns über ein Jahr verteilt immer wieder getroffen und festgestellt, dass der Müllner-Peter zwar bekannt ist, aber durchaus auch eine neue Bewertung und Einordnung braucht. Historische Fakten haben es manchmal schwer, sich neben Fernsehbildern und einer guten Geschichte zu behaupten.

Das musikalische Schaffen des Müllner-Peter steht beim Symposium unter die Fragestellung: welche Möglichkeiten gab es eigentlich um 1800, Musik ins Dorf und die Kirchen zu bringen? Welches Repertoire hatten damals Chöre in bayerischen Dörfern?

Dr. Steffen Voss: In der Regel gab es da wohl eher den einfachen Gemeindegesang, da sind Messen mit Solo-Gesang und Orchesterbegleitung eher ungewöhlich. Die meisten Werke der Sachranger Sammlung sind als Stimmensätze überliefert, nur wenige, kleinbesetzte Werke liegen auch in Partiturform vor. Die Sachranger Sammlung umfasst insgesamt mehr als 300 Handschriften und einige gedruckte Werke, darunter lateinische und deutsche Kirchenkompositionen, aber auch Instrumental- und gesellige weltliche Vokalwerke. Da gibt es beispielsweise Menuette von Mozart oder auch Ensemblelieder von Michael Haydn. Einen prominenten Platz in der Sammlung nehmen die Werke des Münchner Stadtmusikers Georg Augustin Hollers (1744 bis 1814). Nur in wenigen anderen bayerischen Bibliotheken haben sich weitere Kirchenkompositionen Hollers erhalten. Der Müllner-Peter hat auch selbst komponiert, etwa drei Weihnachtslieder für drei Singstimmen, zwei Klarinetten, zwei Hörner, zwei Violinen und Bass sowie einige Marienlieder, typische Beispiele für die damalige Volksfrömmigkeit, darunter das noch heute in Sachrang gesungene „Gekrönte Himmelskönigin.“ All diesen Fragen – auch bezüglich der Verbreitung im Alpenraum – werde ich zusammen mit Dr. Thomas Hochradner vom Mozarteum in Salzburg und Dr. Hildegard Herrmann-Schneider aus Innsbruck nachgehen.

Inwieweit hat die damalige Umbruchstimmung derartige Karrieren gefördert? Als Müllerssohn war der Müllner-Peter ja nicht gerade prädestiniert, Musik zu lernen. Gab es damals noch mehr solcher „Universalgenies“?

Dr. Hamm: Den Fragen nach den Möglichkeiten von Bildung und Karrieresprüngen auf dem Land wollen wir gerade mit dem Symposium nachgehen. Es gibt durchaus vergleichbare Biografien, wie etwa die eines Leonhard Millinger aus Waidring (1753 bis 1834), der schon um 1815 eine umfängliche Weltbeschreibung liefert oder den Schweizer Kleinbauern Ulrich Bräker, der von 1782 bis 1785 seine Autobiografie schreibt. Es gibt Namen wie Joseph von Frauenhofer, dem als Sohn eines Glasermeisters in Straubing auch nicht unbedingt die wissenschaftliche Karriere im Bereich der Optik in die Wiege gelegt war. Die Forschung in diesem Bereich lohnt sicher und wird neue Biografien und Erkenntnisse bringen. Professor Rainald Becker, der zum Thema „Das Gedankengut der Aufklärung als Katalysator für Karrieren aus dem Volk“ referiert, wird sicherlich einige Erkenntnisse in dieser Richtung vermitteln. Genauso auch Florian Sepp, der sich mit den Bildungschancen im ländlichen Raum im 18. Jahrhundert befassen wird. Zur Biografie des Müllner-Peter wird Dr. Stefan Breit berichten und auch einige neue Aspekte beitragen. Interview: Elisabeth Kirchner

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Das Symposium am Samstag, 30. Juni, von 10 bis 17.30 Uhr in der Alten Schule Sachrang ist öffentlich. Der Eintritt zu allen Vorträgen ist frei, eine Anmeldung über die Tourist-Info Sachrang ist bis zum 22. Juni erforderlich. Dort gibt es auch ein Faltblatt mit weiteren Informationen (Telefon 08057/ 909737, info@sachrang.de).

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