Bad Aibling – Der Titel seines neuen Kabarettprogramms „Kauf, du Sau!“ klingt nicht gerade feinsinnig intellektuell. Doch Helmut Schleich, der im ausverkauften Kurhaus ein Feuerwerk an Boshaftigkeiten zündete, hat im überall grassierenden Konsumwahn ein Grundübel erkannt.
Mit Häme und Spott arbeitete sich Schleich an den Auswüchsen rund ums Auto ab. Wenn heute die Blondine des Managers beklage, sie stehe im Stau, sei das natürlich Blödsinn. „Du bist der Stau, du dumme Nuss“, rief Schleich derb ins Publikum. Ein SUV mit einem Gewicht von drei Tonnen bewege im Falle der Blondine 50 Kilogramm Mensch und noch dazu vier Kilo Schminke. Das seien dieselben Leute, die mit ihrem SUV zum Dallmayr fahren würden, um ein kleines Glas kandierter Langusten zu kaufen und sich dann darüber beklagten, dass sie am Marienplatz nicht parken könnten. „Von alten Technologien wie dem Katapult oder der Dampfmaschine haben sich die Menschen verabschiedet, über das Auto denkt niemand nach“, so Schleich. Vielmehr habe die Autoindustrie vom Staat 110 Milliarden an Subventionen erhalten.
Trumps Idee, Lehrer zu bewaffnen, um sich gegen böse Menschen zu wehren, veranlasste Schleich zu der flapsigen Bemerkung: „In der 10. Klasse hatte ich Referendarinnen, die sich mit einem gezielten Schuss in die Klassenzimmerdecke Respekt hätten verschaffen können.“ Dass in den USA jedes Jahr 30000 Menschen durch Schusswaffen getötet werden, die Waffenlobby aber eine Vernunftentscheidung blockiere, obwohl 80 Prozent der Bürger schärfere Waffengesetze wollten, mache ratlos und betroffen.
Natürlich bekam auch die Politik ihr Fett weg. Ob Söder mit seinem Kruzifixerlass, Dorothee Bär, die „Altersstarrsinn durch Weltendummheit“ ersetze oder Trump und Merkel, die Größenwahn und hohle Phrasen mit Realitätsverlust verbinden würden. Da helfe nur noch ein Kurzurlaub gemäß dem Motto „Drei Tage Rio: war herrlich!“ oder „Ich hab mal nen halben Tag in der Toskana gelebt.“
Immer wieder rief Schleich als litaneihaft säuselnder Pfarrer die „Schutzpatrone des Qualitätsjournalismus“ auf, die uns vorschreiben würden, was wir zu denken haben. „Europa liegt in den Wehen“, zitierte der Kabarettist einen Kolumnisten.
Laut Frankreichs Präsident Macron, einem neoliberalen ehemaligen Investmentbanker, seien infolge der Globalisierung alle Gewinner. „Mit Ausnahme derer, die Verlierer sind“, ergänzte Schleich treffend. Merkels „Stirbt der Euro, stirbt Europa“ erinnere ihn an Honeckers „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!“
Genüsslich zog Schleich über furchtbare Gutmenschen her, über die Verhunzung der Sprache durch den Gender-Wahnsinn und über Leute, die im Biergarten Sushi ordern. „Der Spießer stirbt nicht aus, der zieht sich nur ab und zu um“, erkannte der Kabarettist. Selbst Söders tiefsinniger Satz „Bayern ist ein Land mit einer wundervollen Heimat“ machte Schleich nicht sprachlos.
Zur Freude des Publikums schlüpfte der Kabarettist dann auch noch in die Rolle von Franz Josef Strauß, den er in Stimme, Mimik und Gestik meisterhaft imitierte. Dessen mit Lateinzitaten gespickte, ruckartig hervorgestoßene Generalabrechnung mit den heutigen politischen Zuständen rief stürmische Begeisterung hervor. Gewissermaßen als humoristisches Betthupferl gab es am Ende noch ein herrlich blödsinniges Gespräch zwischen den Ratzinger-Brüdern in den vatikanischen Gärten.