Frasdorf – Dass die Münchner Philharmoniker nicht nur auf den großen Bühnen der Welt zu Hause sind, sondern auch auf kleinen und eher ungewöhnlichen Brettern und in kleiner Besetzung sicht- und hörbar Spaß und Freude am Zusammenspiel haben, bewiesen die Musiker heuer zum siebten Mal in Folge auf den Frasdorfer Niederalmen. Statt edlem Zwirn sah man Wanderkleidung und Tracht, musste man doch erst vom Parkplatz Lederstube auf die auf rund 950 Meter hoch gelegenen Almen wandern. Und auch die Musiker gaben sich ganz leger in Kuhstall und Stadel. Dafür aber oder gerade eben wegen dieses Ambientes ist der Hörgenuss intensiver, einprägsamer und auch intimer. Wer in der ersten Reihe sitzt, kann Noten mitlesen – und das musikalische Erlebnis ist nicht nur dort, sondern auch in den hinteren Reihen ein Vergnügen.
Bei der Matinee auf der Rauchalm brillierte der erst 23-jährige Italiener Raffaele Giannotti am Fagott, der auf vortreffliche Art mit Iason Keramidis (Violine), Burkhard Sigl (Viola) und Floris Mijnders (Cello) harmonierte. War schon Francois Deviennes Quartett op. 73 no 2 prachtvoll-intensiv, so geriet den Musikern Franz Krommers Quartett op. 46/1 noch eindrucksvoller. Der Nachklang, den Giannotti im sanften Piano am Fagott erzeugte, wurde gefühlvoll ergänzt vom langen und tiefen Bogenstrich des Cellos, zart melodiös eingerahmt von Geige und Viola. Dass das Ganze noch zu toppen war, zeigten die vier Musiker mit Leonard Eröds „Grande Fantaisie sur Carmen“ über Motive aus George Bizets gleichnamiger Oper. Romantische Opernparaphrasen wechseln sich da augenzwinkernd mit Anspielungen auf Musik des 20. Jahrhunderts ab – gepaart mit Leichtigkeit und Wärme im Pianissimo. Rassige Rhythmen und Tempi sowie unnachahmliche Raffinesse herrschten da auf einmal mediterranes Flair im Kuhstall. Dass die Zugabe – der Finalsatz aus der Fantasie – statt allegro moderato zum Prestissimo geriet, war wohlfeine Absicht, bewies aber nur noch einmal mehr die ausgefeilte Technik und das Zusammenspiel-Vermögen.
Klassik und südamerikanische Rhythmen waren auf der Hofalm angesagt. Dort gab sich das Trio fuoco rund um den Flötisten Martin Belic und seinen Freunden Gitarrenprofessor Vojko Vesligaj vom Konservatorium Maribor und der Geigerin Barbara Polkowska ein musikalisches Stelldichein. Schon bei der Ouvertüre aus „Il barbiere di Seviglia“ von Giacchino Rossini zeigte das Trio warmen Glanz, auch Filippo Gragnanis Trio op 13 gelang trotz seiner eingängigen Melodien erfrischend lebendig.
Das Trio fuoco machte dann seinem Namen alle feurige Ehre: Mit dem „Concierto de Samba“ von Klaus Wüsthoff, einem Liebestango von Astor Piazolla und „Cuban Sketches“ von Jose Manuel Lezcano zündeten die drei ein rhythmisch-herausfordendes und facettenreiches Feuerwerk, allein es fehlte noch, dass sich das Publikum zum Tanzen erhob – der hölzerne Boden wäre dafür wie geschaffen gewesen.