Kabarett

Nur bei Bumillo geht es rauf

von Redaktion

Poetry-Slammer Christian Bumeder überzeugt im ESV-Festzelt

Rosenheim – Ein Heimspiel war der Auftritt im Festzelt des Eisenbahner-Sportvereins (ESV) Rosenheim für Christian Bumeder nur theoretisch: Zwar wurde der umtriebige Kabarettist, Poetry-Slammer, Moderator und Autor in Rosenheim geboren, aufgewachsen ist er jedoch in Reit im Winkl. Heute lebt er in München. Mühe, das mit mehr als 200 Besuchern nahezu voll besetzte Festzelt von sich zu überzeugen, hatte Bumillo trotzdem nicht.

Der promovierte Germanist und Filmwissenschaftler erkundete ausgiebig die Absurditäten des Alltags, wie sich sich in „6-in1-Shampoos“ und ähnlichen Phänomenen ausdrücken. Für große Heiterkeit sorgte sein Vergleich einer nicht allzu fernen Vergangenheit, da es ein Tabu war, einen Bildschirm, „anzutappen“ und Internetnutzung ein langwieriges Unterfangen war, mit der permanent ungeduldigen Touchscreengesellschaft der „Digital Natives“, der es laut Bumeder nicht nur an einer gesunden „Basst scho“-Einstellung, sondern auch an Eigeninitiative gebricht.

Besonders interessant waren auch die Sprachspiele des 36-Jährigen, etwa, wenn er die Verhaltensweisen seiner Mitmenschen aus der zweifachen Verwendung des „Ö“ deduzierte – in „verwöhnt“ oder in „empört“ – oder wenn er dem Versuch, sich sein Seelenheil mit „Coca Cola Light koffeinfrei“ zu erkaufen, die „Deeskalation mit Delikatessen“, ein herzliches „Salam-i-leikum“ gegenüberstellte.

Dieser Aufruf zu positiver Attitüde, zum Mut, die Dinge einmal anders zu sehen und anzugehen, der sich emblematisch im Motto seines Programms, „Die Rutsche rauf“ ausdrückt, erhellte und strukturierte Bumillos gesamte Darbietung.

Im Verbund mit seiner freien und zwischen echter und überzeugend inszenierter Spontaneität schwankenden Art des Vortrags, in die er wie selbstverständlich auch beizeiten einen mit eingespieltem Beat unterlegten Rap einflocht, ergab sich ein nicht nur von Witz zu Witz unterhaltender, sondern insgesamt sehr stimmiger Abend, den die Besucher auch mit dem entsprechenden Beifall zu honorieren wussten.

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