Oberaudorf – Bereits zum elften Mal präsentierten die Macher der Musikfilmtage namhafte Gäste für ein ebenso inhaltsreiches wie unterhaltendes Gespräch vor Publikum. Diesmal war der Saal des „Wallerwirts“ schon weit vor Beginn voll besetzt, denn schließlich waren drei Hochkaräter eingeladen. Der Südtiroler Musiker Herbert Pixner galt vor wenigen Jahren noch als Geheimtipp. Inzwischen füllt er mit seinem Quartett mühelos die großen Säle.
Michael Verhoeven weigerte sich zunächst, in die Fußstapfen seines Vaters Paul Verhoeven als Regisseur zu treten und entschloss sich zu einem Studium der Medizin. Doch wieder bei der Regie gelandet, gilt er mit den Produktionen „Die weiße Rose“, „Das furchtbare Mädchen“ und Dokumentarfilmen zum Nationalsozialismus und zur Todesstrafe als einer der wichtigen deutschen Regisseure für politische Filme. Großen Applaus gab es schon im Biergarten, als die „Grande Dame“ des deutschen Films das Areal betrat, Senta Berger. Sie drehte bereits in Hollywood mit großen Stars wie Kirk Douglas, John Wayne und Yul Brynner und in den verschiedensten Genres. Zuletzt überzeugte sie unter anderem als Ermittlerin Anna Prohacek in der Serie „Unter Verdacht“ und engagiert sich für Frauenrechte.
Moderator Markus Aicher startete das Gespräch mit der Frage nach dem persönlichen Lieblings-Musikfilm seiner Gäste, woraufhin sich Senta Berger immer noch begeistert zeigte von Judy Garlands „Somewhere over the Rainbow“ im „Zauberer von Oz“ und dem damit einhergehenden, damals revolutionären Wechsel von Schwarzweiß auf Farbe auf der Leinwand. Und gab zum Vergnügen der Gäste ein paar Songzeilen aus der „Lindenwirtin vom Donaustrand“ zum Besten, in dem sie selbst gespielt hat.
Pixner hingegen bekannte sich als Fan von Quentin Tarantino und dessen Fimmusik, erwähnte aber auch den bewusst „musiklosen“ Regisseur Ulrich Seidl. Verhoeven stimmte hier mit ein: Er verzichte in seinen Dokumentarfilmen ebenfalls auf Musik, da sie zu sehr von der Sache ablenke. Über einige private Geständnisse und Aussagen zum Familienleben – Senta Berger und Michael Verhoeven sind seit 1966 verheiratet – kam das Gespräch auf das politische Selbstverständnis der Gäste und wie sie dies in ihrer öffentlichen Rolle umsetzen.
Herbert Pixner konstatierte, sich auf keinen Fall von Politikern vereinnahmen zu lassen, etwa auf Parteiveranstaltungen zu spielen. Er sei auch kein Konstantin Wecker oder Hans Söllner mit ihrer direkten Ansprache, vielmehr solle die Musik für sich sprechen. „Und wenn schon Freikarten für Gäste, dann für kleine Kinder, aber auf keinen Fall für Politiker“, fügte er unter Beifall des Publikums hinzu. Senta Berger gab zu, durch die Partnerschaft mit ihrem Mann politisiert worden zu sein, der sich sowieso schon politisch mit seinen Filmen exponierte, wie mit einer Dokumentation über einen Kandidaten für die Todesstrafe in Ohio. Für Senta Berger stehen die Rechte der Frauen stark im Fokus ihrer öffentlichen Engagements: „Frauen sollen stets die Wahl haben“ war ihr ein Anliegen. Prominenten komme eine gewisse Verantwortung zu. Es gehe darum, so zu leben, wie man will, dass auch die Gesellschaft lebt, so die Schauspielerin.
Zum Abschluss der charmanten Runde gelang noch ein originelles Wortspiel: Über Pixners Label „3 Saints Records“ schlug Aicher die Brücke und dankte den „Drei Heiligen“ für ihre Anwesenheit. Im Anschluss ging es in der heiligen Umgebung des Klosters Reisach weiter mit einer Musikdoku über Herbert Pixner.