Rosenheim – Hysterie wird laut Wikipedia mit hohem Bedürfnis nach Geltung und Anerkennung gedeutet. „Die Hysterie der Farben“ tituliert der Künstler Willee WTH Regensburger seine aktuelle Ausstellung in der „Kleinen Werkraumgalerie“ und berichtet sogleich, dass jedes Bild während des Malprozesses nach bestimmten delikaten Farben schreie. Zur Zeit käme alles, was er je gemalt habe, zusammen: thematisch, formal und farblich.
Es findet sich so ein Gesamtbild, aber auch jedes Detail. Ob am Rand oder im Bildzentrum, alles bearbeitet, komponiert der Maler intensiv. Bei der Hängung der rund 24 mal 30 Zentimeter großen Bilder wird eine kontrastreiche Steigerung erzielt.
Der Mensch steht immer im Zentrum. Die Figurinen, die Gesichter sind eingebettet in eine strukturierte Umgebung, in einen Mikrokosmos, der alles durchdringt. Gemalt hat der Künstler alles in Tusche. Was ihn dabei interessiert: Man kann nichts korrigieren. Für ihn ist das Warten auf den richtigen Impuls, den richtigen Strich meditativ bis zum vollendeten Sein. Aus dem Verborgenen hebt sich ein Detail wie durch eine Lupe betrachtet hervor, aus der Kleinwelt herausgeholt.
Intensive Blicke sind wichtig, um alles zu erfassen. „Das Kleinformat überschätzt sich nicht selbst und lenkt so die Aufmerksamkeit auf die kleinen Details. Vorder- und Hintergrund lösen sich zum Teil auf“, sagt Regensburger. Wilde Pflanzen, überhaupt Botanik, Pflanzen- und andere Geister tummeln sich in den Arbeiten dieser Kabinettausstellung in den ersten beiden Räumen der Galerie. Feine Linien durchziehen Porträts, versteckte Gesichter verlangen Aufmerksamkeit, doppelte Schatten interessieren.
Im dritten Raum wird des Künstlers Liebe zum Zirkus sichtbar. Narrative Bilder führen den Betrachter wieder an einen weiteren Ort der Fantasie. Da tauchen Elefanten auf, Marionetten, ein Zirkusdirektor, verzauberte Hasen, Bären oder eine voluminöse Donut-Queen in farbintensiven Kompositionen. Die Wichtigkeit des einzelnen Bildes und die Gesamtwirkung erfreuen nicht nur den Betrachter, sondern nicht zuletzt den Künstler. Extreme Farbkompositionen, harmonisches Miteinander, hier sieht er sein Freispielen, wie es ihm aus der Feder floss, das Schaffen aus einer anderen, seiner Welt. Das hier ist seine Ernte.
Willee WTH Regensburger lebt am Chiemsee. Er arbeitet seit 1977 als Künstler in Ateliers in New York, Krakau, Baden Baden und jetzt in Vachendorf am Chiemsee. Ausgezeichnet mit dem Debütantenförderpreis Bayern und vielen weiteren Preisen und Stipendien. Seine Arbeiten sind in verschiedenen Museen und Sammlungen zu sehen, sowie Kunst und Bauten in diversen Städten.
Die Ausstellung in der Kleinen Werkraumgalerie in Rosenheim, Heilig-Geist-Straße 4, ist bis Samstag, 28. Juli, geöffnet: mittwochs mit samstags von 15 bis 19 Uhr.